Galaktischer Konter

Samsung hat die Strategie für sein "Galaxy Tab" vorgestellt: Partnerschaften mit vier Netzbetreibern, die „Media Hub“-Software und eine ausgefeilte Vernetzung mit Fernsehern und Handys sollen gegen das iPad punkten.

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Von
  • Erica Naone

Samsung hat die Strategie für sein "Galaxy Tab" vorgestellt: Partnerschaften mit vier Netzbetreibern, die „Media Hub“-Software und eine ausgefeilte Vernetzung mit Fernsehern und Handys sollen gegen das iPad punkten.

Dank eleganter und hochwertiger Produkte ist der Elektronikkonzern Samsung seit den neunziger Jahren unaufhaltsam in die erste Liga der Computertechnik aufgerückt. Mit dem „Galaxy Tab“ wollen die Koreaner als erster großer Hersteller Apple ins Post-PC-Zeitalter folgen. Nun hat Samsung die Strategie umrissen, mit dem es dem Branchenprimus Apple Konkurrenz machen und sich gegenüber anderen Nachzüglern bei den Web-Pads durchsetzen will.

Hinsichtlich der technischen Spezifikationen unterscheidet sich das Galaxy Pad, das einen 16-Gigabyte-Speicher hat, nicht allzu sehr vom leuchtenden Vorbild. Mit einem Sieben-Zoll-Touchscreen ist es etwas kleiner als das iPad (zehn Zoll). Dafür wiegt es nur kaum mehr als die Hälfte: rund 360 Gramm gegenüber 680 Gramm, die das leichteste iPad-Modell auf die Waage bringt.

Seinen Vorteil sucht Samsung denn auch nicht in der Hardware, sondern in Software und Verfügbarkeit. Während iPad-Nutzer in den USA als Mobilfunkbetreiber nur den exklusiven Apple-Partner AT&T nehmen können – offiziell jedenfalls –, wird Samsung das Galaxy Tab zusätzlich über Verizon, Sprint und T-Mobile vertreiben.

Wer mit Apple konkurrieren wolle, müsse sicherstellen, dass die Kunden leicht an die Geräte kommen, sagt Jeff Orr, Chefanalyst für mobile Geräte bei ABI Research. Der Tablet-Rechner von Samsung werde davon profitieren, dass er in den Läden von vier großen Netzbetreibern erhältlich ist. „Es war nur eine Frage der Zeit, wann der erste Anbieter solche Kooperationen eingeht“, sagt Orr.

Samsung setzt auf dem Galaxy Tab das Betriebssystem Android von Google in der Version 2.2 ein. Die Software unterstützt Adobe Flash 10.1, den Standard für Hunderte Millionen Webvideos und Animationen, den Apple-Chef Steve Jobs rigoros vom iPad fernhält.

„Für jeden neuen Konkurrenten ist es ungemein wichtig, Flash laufen zu lassen“, sagt Al Hilwa, Analyst für App-Entwicklungssoftware bei IDC. „Nicht nur, weil Sie damit Ihren Kunden wesentliche Webinhalte präsentieren können, sondern weil sie im Kampf mit Apple jede erdenkliche Waffe nutzen müssen.“

Schwieriger wird es für die Konkurrenz, bei den Apps zu punkten. Vor allem diese Kleinstprogramme, die vom Wetterbericht bis zum Intelligenztest jeden Inhalt transportieren, haben iPhone und iPad so populär gemacht. „Hier hat Apple einen entscheidenden Vorteil: Über App Store und iTunes können Nutzer schnell und bequem neue Inhalte finden“, sagt Jeff Orr.

Samsung will daher das Füllhorn der rund 100.000 Android-Apps anzapfen. Es gehe den Verbrauchern aber nicht so sehr um den Umfang des Angebots, sondern um die Qualität, warnt Hilwa vor voreiligem Optimismus.

Daneben setzen die Koreaner auf den sogenannten „Media Hub“: Mit dieser Anwendung können Galaxy-Nutzer auch auf Fernseh- und Kinofilme zugreifen. - Das Galaxy Tab soll sich über die Software nahtlos mit den TV-Geräten und Handys der Koreaner verbinden. Man habe daran gearbeitet, eine wirklich „vernetzte Erfahrung“ zu erzeugen, versichert Kris Narayanan, Vizepräsident für digitales Marketing von Samsung North America. User sollen Inhalte zwischen verschiedenen Geräten hin und her schieben und damit auf einem Gerät das fortsetzen können, was sie zuvor auf einem anderen genutzt haben.

Apps seien der Schlüssel zu diesem Konzept, betont Narayanan. Samsung hat auf seiner Website bereits einen Online-Shop für TV-Apps eröffnet. Derzeit laufen sie nur auf Digitalfernsehern, sollen aber am Ende auf sämtlichen Samsung-Geräten verfügbar sein. Wenn sich dadurch die Funktionalität des Galaxy Tab erweitere, könnte das womöglich ein „entscheidender Punkt“ sein, mit dem Samsung ein ernstzunehmender Rivale für Apple werde, urteilt Orr. Könnte – denn letztlich lasse sich der Markt für Tablet-Rechner überhaupt noch nicht einschätzen, so Orr: „Die Entwicklung steht wirklich erst ganz am Anfang.“

Zugleich ist das Galaxy Pad auch ein Test dafür, ob sich die Begeisterung für das iPad auf vergleichbare Produkte übertragen lässt. Die Marktforscher von ABI Research erwarten, dass bis Ende des Jahres zwischen acht und zwölf Millionen Web-Pads verkauft werden – je nachdem wie gut die Konkurrenzprodukte ankommen werden. (nbo)