Bund stopft mit Telekom-Aktien Haushaltslöcher

Langfristig wird sich der Bund sowohl aus der Deutschen Telekom AG als auch aus der Deutschen Post AG zurĂĽckziehen.

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  • dpa

Der Bund wird zum Stopfen seiner Haushaltslöcher noch in diesem Jahr weitere Privatisierungen über die staatseigene KfW-Bankengruppe abwickeln. Genannt wurden am Dienstag Summen für diese so genannten Platzhaltergeschäfte zwischen drei und fünf Milliarden Euro. Wie sich das Volumen zusammensetzt, sei noch offen, hieß es. Grundsätzlich ist davon auszugehen, dass es sich vor allem um Telekom- und auch um Post-Aktien handeln dürfte. Die Ankündigung stieß bei den Aktionärsschützern auf heftige Kritik.

Langfristig wird sich der Bund sowohl aus der Deutschen Telekom AG als auch aus der Deutschen Post AG zurückziehen. Im Bundesfinanzministerium hieß es, der Zeitpunkt für die weitere Platzierung von Aktien bei der KfW sei offen und hänge vom Markt ab. Eine Platzierung weiterer Post-Aktien bei der KfW ist problematisch, da sie schon 42,60 Prozent kontrolliert. Sollte die Beteiligung am Bonner Logistikkonzern auf 50 Prozent steigen, müsste die KfW die Post in ihrer Bilanz berücksichtigen.

In der Regel reicht die Bundesregierung Aktienpakete mit einem Abschlag von einem Drittel zum aktuellen Aktienkurs an die KfW weiter. Die Aktiengeschäfte mit dem Bund sind für die KfW Gewinn bringend. "Wir haben festgestellt, dass der Erlös deutlich über dem Einstandspreis liegt", sagte eine KfW-Sprecherin zur Veräußerung von 200 Millionen T-Aktien an Finanzinvestoren am Vortag. Das zweistufige Verkaufsmodell über die KfW gilt auch für den Bund als vorteilhaft: Er bekommt schnell Geld ohne den Aktienmarkt sofort zu belasten. Die KfW hatte ihre Telekom-Beteiligung erst am Montag deutlich reduziert. Der Gesamterlös des jüngsten T-Aktiengeschäfts beläuft sich auf vier Milliarden Euro.

Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) warf der Bundesregierung und insbesondere Finanzminister Hans Eichel (SPD) vor, Haushaltsprobleme auf Kosten der Kleinanleger zu regeln. "Den Kleinanlegern wurde schon mehrfach in die Tasche gegriffen", sagte DSW-Sprecher Jürgen Kurz am Dienstag. Dies sei bei der Versteigerung den UMTS-Lizenzen der Fall gewesen, als die Telekom zusammen mit anderen Konzernen dem Bund unerwartete Einnahmen in Milliardenhöhe bescherte. Auch der dritte Telekom-Börsengang sei kein Ruhmesblatt.

"Seit dem dritten Börsengang der Telekom im Mai 2000, bei denen Aktien zu 64 Euro platziert wurden, ging es für die Anleger immer weiter bergab", betonte Kurz. Viele Anleger hofften jetzt im Zuge des Schuldenabbaus und der Dividendenpläne der Deutschen Telekom auf eine Kurserholung. Doch nun wolle der Bund selbst kräftig Kasse machen. Dies drücke erfahrungsgemäß auf den Aktienkurs. "Alle Aktionäre der T-Familie sind derzeit sehr gebeutelt", meinte der Aktionärsschützer auch mit Blick auf den Telekom-Plan zum Börsenrückzug von T-Online. (dpa) / (jk)