Zuspruch für Medientage größer denn je
Die Veranstaltung, die in diesem Jahr enger mit der Systems verzahnt ist, steht unter dem Motto "Merging Media -- Potenziale und Konsequenzen der Digitalisierung".
Nach der tief greifenden Medienkrise in Deutschland deutet auch der große Zuspruch für die parallel zur Systems stattfindenden Münchner Medientage (20. bis 22. Oktober) auf eine zunehmende Erholung in der Branche. "Wir haben nach Anmeldungen mehr als 6000 Kongressteilnehmer, das ist mehr, als wir je hatten", sagte der Präsident der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM), Wolf-Dieter Ring, der dpa in München. Für die begleitende Fachausstellung hätten sich rund 140 Firmen und Institutionen angemeldet und damit etwa 40 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Medientage gelten als wichtigstes Branchentreffen dieser Art in Europa.
Die Veranstaltung steht in diesem Jahr unter dem Motto "Merging Media -- Potenziale und Konsequenzen der Digitalisierung". Ring bedauerte in diesem Zusammenhang die Entscheidung des Bundeskartellamtes gegen die Fusionspläne von Deutschlands größtem Kabelnetzbetreiber Kabel Deutschland GmbH. "Das führt dazu, dass die Chancen für einen schnellen Ausbau der Kabelnetze schwerer wahrgenommen werden können", sagte Ring. Dies behindere die Verbreitung digitaler Fernseh- und Hörfunkprogramme sowie schneller Internetzugänge. Die KDG hatte ihre Pläne zur Übernahme dreier kleinerer Wettbewerber und damit zur Begründung eines Kabelmonopols in Deutschland wegen des Widerstandes des Bundeskartellamts aufgegeben. Derzeit gebe es 4,6 Millionen digitalisierte Haushalte in Deutschland, sagte Ring, rund drei Millionen davon sind Kunden des Abo-Senders Premiere.
Schwerpunkt der Medientage wird auch die Suche nach neuen Erlösquellen außerhalb klassischer Werbung sein. Fernsehsender wie der Mitmach-Kanal Neun Live zeigten hier neue Wege auf, sagte Ring. Im öffentlich-rechtlichen Rundfunk sieht er eine zunehmende Gefahr der Verbreitung von Schleichwerbung. "Es kann nicht sein, dass sich ein gebührenfinanziertes System mit 6,6 Milliarden Euro zusätzlich alle möglichen anderen Erlösquellen sichert", sagte Ring. Mit der bevorstehenden Gebührenerhöhung erhielten die Öffentlich-Rechtlichen ohnehin eine zusätzliche Stärkung.
Kritische Programminhalte wie die umstrittenen Schönheitsoperationen im Fernsehen werden die Medienwächter nach Einschätzung Rings künftig zunehmend beschäftigen, erwartet Ring, der auch Vorsitzender der Kommission für Jugendmedienschutz ist. "Wir müssen sehr deutlich machen, dass wir mit diesem Thema anders umgehen als die USA." Generell biete das duale Rundfunk-System Deutschlands im internationalen Vergleich sehr viel Qualität. "Die Diskussion um solche Problemformate verstellt zuweilen den Blick auf das Gesamte." (dpa) (jk)