OpenOffice feiert seinen vierten Geburtstag

Am 13. Oktober 2000 wurde der StarOffice-Quelltext als Open Source freigegeben

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Von
  • Sven-Olaf Suhl

Understatement gehört wohl nur zu den temporären Stärken der OpenOffice.org (OOo) -- handelt es sich bei ihrem Programmpaket nach eigener Einschätzung nicht nur um die "beste", sondern auch um die "demokratischste" Open-Source-Software. OpenOffice-Produkte sind bereits in 44 Sprachen erhältlich und versprechen "usability by all". Nun feiern die Entwickler den vierten Geburtstag des offenen Büropakets.

Am 13. Oktober 2000 hatte Sun Microsystems den Quelltext des Office-Pakets als Open Source freigegeben, eine Vorversion von StarOffice 6.0. Der damals rund 400 MByte groĂźe Quelltext bestand aus rund 7.500.000 Zeilen C++-Code, die sich auf ĂĽber 35.000 Dateien verteilten. Von Drittanbietern lizenzierte Komponenten wie RechtschreibprĂĽfung, Thesaurus und die Datenbank Adabas D standen und stehen hingegen nicht als Quelltext zur VerfĂĽgung und bleiben den von Sun erzeugten StarOffice-Versionen vorbehalten. HierfĂĽr vergibt Sun zweigleisig Lizenzen, entweder nach der GNU Lesser General Public License (LGPL) oder nach der Sun Industry Standards Source License (SISSL).

Im Jahr 1984 hatte Marco Börries im Alter von nur 16 Jahren in seinem Lüneburger Elternhaus die Firma Star Division gegründet. Seine Software wurde über 25 Millionen mal auf der ganzen Welt verkauft. Im August 1999 verkaufte Börries seine Firma an Sun -- zu einem Preis von über 70 Millionen US-Dollar. Zu dem Zeitpunkt waren kaum mehr als 100 Entwickler an Bord, um eine umfassende Büro-Software für Textverarbeitung, Tabellenkalkulation und Präsentationen zu entwickeln. Mit Blick auf den Personalaufwand bei Microsoft erscheint diese Zahl geradezu winzig: Beispielsweise setzte der Software-Riese schon über 100 Entwickler allein an die Aufgabe, eine Version von Office 97 auf Macintosh-Rechner zu portieren. Dieses Missverhältnis der personellen Ressourcen dürfte ein Grund dafür sein, dass hierzulande StarOffice gegenüber den Produkten aus Seattle an Boden verlor. Zahlreiche Projektleiter im OOo waren schon Entwickler bei der früheren Star Division. Auch ihre Büros befinden sich nach wie vor am alten Firmensitz im Hamburger Sachsenfeld -- auch wenn sie ihre Gehälter längst von Sun beziehen.

Für Sun ist das OpenOffice-Projekt mehr als als eine Wohltätigkeitsveranstaltung für Nutzer, die Konkurrenzprodukte nicht mögen oder schlichtweg nicht bezahlen wollen. Im Gegensatz zu den Marktanteilen von Microsoft Office in Europa und Nordamerika stechen Asien und Indien als weiße Flecken in der Landkarte von Bill Gates ins Auge: Die Wachstumsregionen in Fernost, hierzulande als Jobkiller für IT-Beschäftigte beargwöhnt, lassen einen Nachfrageschub für Bürosoftware erwarten -- und dort ist das Rennen noch nicht zu Gunsten von Microsoft gelaufen. (ssu)