Medizinische Sprach-KI-Plattform: Corti rüstet sich für Psychiatrie und mehr
Das dänische Start-up Corti konzentriert sich auf die automatische Analyse in Echtzeit und stellt Gesundheits-IT-Herstellern seine Dienste über eine API bereit.
(Bild: heise medien)
Die medizinische Spracherkennung des dänischen Unternehmens Corti ist jetzt auch für den Einsatz in der Psychiatrie optimiert. Das soll eine verlässliche Erfassung und Analyse psychiatrischer Gespräche mit klinischem Verständnis und kontextsensitiver Interpretation ermöglichen. Gerade in der Psychiatrie kann jede Formulierung, Pause oder Betonung diagnostisch bedeutsam sein – mit häufigen Themenwechseln und unvollständigen Erzählungen.
Zentral dabei ist Cortis klinische Reasoning-Engine FactsR, die während Konsultationen kontinuierlich mitläuft und medizinisch relevante Inhalte in Echtzeit erkennt. So entsteht automatisch eine strukturierte, nachvollziehbare Dokumentation, die unmittelbar in Patientenakten oder klinische Verwaltungssysteme übernommen werden kann. In ersten Pilotprojekten hat sich das System laut Corti bereits im psychiatrischen Umfeld bewährt.
Kurz zuvor hat das Unternehmen unter anderem das BSI C5-Testat für sichere Cloudanwendungen erhalten und erfüllt damit internationale Anforderungen an Datenschutz, Verfügbarkeit und Vertraulichkeit. Zudem gilt Cortis KI-Dokumentationsassistent "Corti Assistant MD" als Medizinprodukt der Klasse I, also der niedrigsten Risikoklasse.
API-Zugänge für Entwickler
Über APIs ermöglicht Corti je nach Bedarf den Zugriff auf verschiedene KI-Module, etwa die automatische Spracherkennung, die Textanalyse oder die medizinische Kodierung. "Die zugrunde liegenden Modelle wurden mit Millionen Stunden dokumentierter Arzt-Patienten-Gespräche trainiert, einschließlich psychiatrischer Sitzungen", heißt es von Corti. Entwickler von Gesundheitsanwendungen können daher KI-Funktionen in ihre Systeme integrieren, ohne selbst Modelle trainieren zu müssen.
In Ergänzung zu einem nutzungsbasierten Preismodell, bei dem Kunden nur für die tatsächliche Rechenleistung – etwa Audiominuten oder Texttokens – zahlen, unterstützt das Unternehmen auch flexible Bereitstellungsmodelle, einschließlich Enterprise-fähiger Infrastrukturen.
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Der Corti Assistant ist seit Mai 2025 auch als mobile App für iOS- und Android-Geräte, einschließlich der Apple Watch, verfügbar und erlaubt die Nutzung zentraler Spracherkennungs- und Dokumentationsfunktionen im klinischen Alltag.
Ursprüngliches Ziel war es, Feuerwehren und Notdienste bei schnelleren Entscheidungen zu unterstützen. Heute spezialisiert sich das Unternehmen auf KI für medizinische Sprach- und Textverarbeitung, entwickelt eigene Modelle und bietet sie über eine API an. Partner wie Dedalus, Medatixx und Philips Speech Processing haben das Angebot in ihre Systeme integriert.
Auch in Deutschland entstehen vergleichbare Initiativen: Das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) stellt derzeit mit Orpheus eine eigene Lösung für KI-gestützte medizinische Sprachverarbeitung an – und bietet damit ebenfalls eine europäische Alternative zu Angeboten großer Tech-Unternehmen.
(mack)