4-Kern-Prozessoren verdrängen zunehmend Dual-Core-CPUs
Im Vorfeld des Jahresendgeschäftes belebt sich das CPU-Business in der Distribution wieder. Bis auf wenige Ausnahmen sind alle Desktop-Prozessoren gut verfügbar. Der Handel kann momentan auf stabile Preise setzen. Gefragt sind Entry- und Highend-Chips.
Sehr gefragt: AMDs Highend-6-Kern-CPU Phenom II X6 1090T Black Edition
(Bild:Â AMD)
Im Markt für Desktop-Prozessoren schöpfen Fachhändler aktuell aus dem Vollen. "Derzeit belebt sich die zuletzt verhaltene Nachfrage wieder deutlich", erklärt Frank Borkowski, Produktmanager im Einkauf bei Devil. "Die Verfügbarkeit ist generell gut, von einigen Mainstream-CPUs von Intel abgesehen. Die Preise sind stabil, tendieren aber beim derzeit sinkenden Dollarkurs eher nach unten." Ein Teil der erfreulichen Nachfrage wurde in den letzten Monaten vom offenen Market bedient. "Die Distribution konnte daran nur anteilig partizipieren", sagt Markus Hollerbaum, Business Unit Manager bei Actebis Peacock. "Nachdem seit einigen Wochen der offene Markt nicht mehr alles überschwemmt, spüren wir auch in der Distribution eine steigende Nachfrage nach Prozessoren. Dieser Trend wird sich auch im Jahresendgeschäft fortsetzen."
"Wir rechnen damit, dass das ohnehin schon sehr erfolgreiche zweite Quartal vom dritten Quartal sogar noch übertroffen wird", meint Florian Gerken, Senior Manager Components bei Ingram Micro Distribution. "Die Preisentwicklung ist stabil, woran sich mittelfristig nach unserer Einschätzung auch nichts ändern wird. Lediglich der schwankende Dollarkurs kann Preisänderungen verursachen."
Der HEK von Intels i3-540 ist seit Mitte Juni um 20 Prozent gefallen – der i7-860 wurde hingegen moderat teurer.
Den Marktforschern von iSuppli zufolge hat der Umsatz mit Mikroprozessoren im Jahresvergleich vom zweiten Quartal 2009 bis zum zweiten Quartal 2010 um 34 Prozent zugelegt. Das PC-Segment schwächelt nicht mehr: Im zweiten Quartal wurden weltweit 23 Prozent mehr Rechner verkauft als im Vorjahr. An der Marktaufteilung hat sich so gut wie nichts verändert, Intel kommt auf einen Umsatzanteil von gut 80 Prozent und AMD auf etwa 11,5 Prozent.
"Bei beiden Herstellern konzentriert sich die Nachfrage entweder auf Entry- oder aber auf Highend-Produkte, während das Midrange weniger nachgefragt wird", erläutert Devil-Manager Borkowski. "In der Verkaufsargumentation sollte der Handel klar differenzieren, für welche Anforderungen und Nutzerszenarien welche CPU-Typen erforderlich sind. Intels Core i3- und i5-Serie bieten mit integrierter Grafik gute Argumente, aber auch die Phenom-Reihe von AMD trifft gute Preis-Leistungspunkte."
Die HEKs für AMD-Prozessoren verzeichneten in den letzten Wochen keine größeren Kurssprünge.
"Im Einstiegssegment laufen aufgrund der Preisstruktur nach wie vor die Celeron- und Pentium-Prozessoren gut", konstatiert Actebis-Peacock-Manager. "Der Fachhandel sollte aber auf die neuen Core-i3/i5/i7-Familien fokussieren. Bei annähernder Preisgleichheit für Komponenten wie Speicher und Motherboards lassen sich technisch bessere und schnellere Rechner konzipieren." "Die Quad-Core-Produkte haben aber das beste Preis-Leistungs-Verhältnis und bieten mehr Umsatzpotential", ergänzt Ingram-Micro-Manager Gerken. "Der Handel sollte auf jeden Fall auf Quad-Core-CPUs setzen, die im Abverkauf Dual-Core-Prozessoren in den nächsten Monaten überholen werden." Die Nachfrage nach Intels E5300 und E5400 sei bereits leicht rückläufig.
Bei der Preisbeobachtung unterstĂĽtzten uns:
Actebis Peacock
B.com Computer AG
CTT AG
Devil AG
Ingram Micro GmbH
In der Distribution rechnen die Verantwortlichen mit einem starken vierten Quartal. Vor allem Consumer und Gamer würden ab dem Spätsommer nun wieder verstärkt nach neuen Produkten suchen. Im heise resale Preisradar verzeichnet nach wie vor AMDs 6-Kern-Chip Phenom II X6 1090T großes Interesse. Im HEK kostet der Prozessor 231 Euro. Gesucht sind auch der Phenom II X4 995 Black Edition sowie Intels i5-760 (im HEK 153 Euro). Der durchschnittliche Angebotspreis im Onlinehandel liegt in der KW 38 bei knapp 107 Euro netto. (map)