Themenmolekül: Träumende Roboter

Glasers gesammelte Linkwolke aus der Welt der Wissenschaft und Technologie. Heute mit einer geheimnisvollen Satelliten-Rückholkraft, der Physik des Kochens sowie tanzenden Forschungsarbeiten.

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Von
  • Peter Glaser

Auf meinen Expeditionen durch das Netz finde ich immer wieder bemerkenswerte Informations-Atome, die sich im Lauf der Zeit zu digitalen Themenmolekülen verbinden. Gelegentlich möchte ich der geneigten Leserschaft an dieser Stelle solche Link-Gravitationswolken aus der Welt der fröhlichen Wissenschaft und Technologie vorlegen. Diesmal unter anderem zu einer geheimnisvollen Satelliten-Rückholkraft, der Physik des Kochens und tanzenden Forschungsarbeiten.

Der verrückte Wissenschaftler gehört zum unersetzlichen Klischee-Grundbestand in Literatur und Kino. Auf dieser Liste der "12 Maddest Scientists In Film History" finden sich aber nicht nur die netten Einstein-Klone vom Schlage eines Doc Brown ("Zurück in die Zukunft") oder Professor Farnsworth ("Futurama"), sondern auch die wirklich sonderbare Spezies der Ziemlich Beunruhigenden Wissenschaftler (ZBW) wie Victor Frankenstein, Professor Rotwang ("Metropolis"), Dr. Seltsam ("Dr. Strangelove") oder Dr. Otto Gunther Octavius ("Spiderman 2").

Molekulare Küche: Der Küchenchef des spanischen Spitzenrestaurants El Bulli, Ferran Adria, wird im Herbst an der Harward University einen Kurs über die Physik des Kochens halten. "In den letzten 15 Jahren haben wir mehr über das Kochen herausgefunden als in den 15.000 Jahren davor", so der renommierte Molekulargastronom Wylie Dufresne.

Experimentelles Genießen: Drüben bei LIFE ist eine interessante Fotostrecke zum Thema molekulare Küche zu bestaunen, unter anderem mit Küchenchef Grant Achatz und den bemerkenswerten Erzeugnissen seines Restaurants Alinea in Chicago. Achatz versucht seine Gäste hinauszuführen über die herkömmlichen Vorstellungen von dem, was ein Restaurant ausmacht und wie Essen schmecken soll. Er versucht, sie zum Teil eines wissenschaftlichen Fortschritts des Genießens zu machen.

Schnittflächen ohne zu schneiden: Magnetresonanz-Aufnahmen von Nahrungsmittel gibt es drüben in dem Blog Inside insides zu sehen – zum Teil in spektakulären Fahrten durch die Objektvolumina. Kohl sieht aus wie ein fließender Kristall, Sellerie zeigt seine fraktale Natur, die Wassermelone erinnert an mikroskopische Aufnahmen von Zellkulturen.

Bääääh: 15 Fakten über die Zunge, die du möglicherweise noch nicht kanntest – etwa, dass Frauen eine kürzere Zuge haben als Männer oder dass die Zunge eines Blauwals etwa das Gewicht eines Elefanten hat...

Aus der Reihe 10 der besten 30-Sekunden-Theorien: Der britische Astronom John Gribbin gibt hochkompakte und informative halbminütige Erläuterungen zu Dingen wie Richard Dawkins Theorie der Meme, dem Placebo-Effekt oder der Quantenfeldtheorie, getreu dem Motto: Je kompakter und intelligenter jemand heute seine Ideen oder sein Wissen aufbereitet, desto wertvoller wird sein Beitrag.

Some fun for a Sunday afternoon: Astronomen haben herausgefunden, dass der wahrscheinlich wichtigste Faktor bei der Entwicklung von Spiralnebeln Kollisionen zwischen Galaxien sind. Die Milchstraße beispielsweise ist von einer Reihe von kleineren Galaxien umgeben, die langsam von ihr "aufgefressen" werden. Eine Kollision der Milchstraße mit dem Andromedanebel wird in voraussichtlich vier Milliarden Jahren stattfinden. Hier ein kleines Applet, mit dem sich galaktische Zusammenstöße simulieren lassen.

Das mathematische Holzhochbett: Was auf den ersten Blick aussieht wie eine übergeschnappte Skateboard-Halfpipe, ist in Wahrheit eine neue Skulptur des in Los Angeles lebenden Künstlers Andrew Lewicki mit dem Titel "y=x?", respektive die Umsetzung des Funktionsgraphen im Hochbett-Stil aus Sperrholz.

Traumtechnologie: In dem Film Inception können Menschen die Träume anderer Menschen betreten. Tatsählich ist die Wissenschaft gar nicht mehr so weit entfernt von diesem SF-Szenario. In einem Experiment wurde ein Schlafender verdrahtet und mit einem Roboter verbunden, der darauf programmiert worden war, die Traumbewegungen des Schläfers auszuführen. So nutzte der Roboter beispielsweise Informationen über die Augenbewegungen des Probanden, um zu wissen, in welche Richtung er sehen sollte. Mit Hilfe bildgebender Verfahren können Gehirnwellenmuster als Aktionen gelesen werden – etwa wenn jemand einen Flugtraum oder einen Albtraum hat.

Chemietwagen: Dieses chemisch allumfassend dekorierte britische Taxi ist mit dem periodischen System der Elemente bemalt, um Reklame für den Oxford Science Park zu machen (via kimberlymak). Hier noch eine größere Anzahl weiterer reizvoler und ungewöhnlicher Periodensysteme.

Verspielt Anatomisches: Hübsche, von dem Künstler Jason Freeny handgemachte anatomische Modelle populärer Kinderspielfiguren. Freeny hat mit medizinischen Querschnitten von Gummibärchen, Legomännern und Mickymäusen bereits Furore gemacht. Im Flickr-Pool von Street Anatomy zu sehen ist unterdessen eine Galerie anatomisch inspirierter Street Art aus allen Teilen der Welt. Und Koen Hauser mischt in seinen Fotos reale Menschen und anatomische Modelle zu bizarren Eindrücken.

Die 2001 gestartete wissenschaftliche Suchmaschine Scirus des Elsevier-Verlags ist nach eigenen Angaben "the most comprehensive scientific research tool on the web. With over 410 million scientific items indexed at last count, it allows researchers to search for not only journal content but also scientists' homepages, courseware, pre-print server material, patents and institutional repository and website information". Die Abstracts der gefundenen Publikationen sind in der Regel kostenlos, viele Volltexte sind jedoch kostenpflichtig (Wikipedia).

Tanzende Programmierer, mäandernde menschliche Moleküle, Anthraxsporen in Stretchhosen oder das Verhalten spezieller DNS-Stränge: Für einen Wettbewerb stellen amerikanische Wissenschaftler ihre Forschungsarbeiten als Tänze dar.

Eine geheimnisvolle Kraft zieht die 1974 gestartete interplanetare Sonde Pioneer 10 zurück ins Sonnensystem. (bsc)