Schnelles Netz für Europas Forscher

Das Géant-Netz, Europas Hochgeschwindigkeitsforschungsnetz mit IPv6-Adressierbarkeit und Datentransferraten von bis zu 10 Gigabit/s, gilt als Erfolgsgeschichte; Géant2 soll die Bandbreite auf bis zu 32 Gigabit/s ausbauen.

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Von
  • Monika Ermert

Das Géant-Netz, Europas Hochgeschwindigkeitsforschungsnetz mit IPv6-Adressierbarkeit und Datentransferraten von bis zu 10 Gigabit/s, gilt als Erfolgsgeschichte. Jetzt soll es als Géant2 noch toller werden. Zumindest ein Teil der angeschlossenen 3500 Forschungsinstitute und Unis sollen neue Verbindungen mit Datenraten von 32 Gigabit/s nutzen können. Für immerhin 18 der geplanten 44 Routen soll Dark Fiber angemietet werden, also Backbone-Glasfaserleitungen, die noch ohne aktive Netzwerkinfrastruktur verlegt wurden, beziehungsweise bislang nicht genutzte Fasern in bereits aktivierten Leitungen. Nach Aktivierung dieser Verbindungen stehe deren gesamte Bandbreite dem Forschungsnetz zur Verfügung, betont die EU die Vorteile gegenüber der Anmietung von bereits aktivierter Leitungskapazität bei Carriern, deren Gesamtbandbreite man mit anderen Kunden teilen müsste. So erhalte man durch die Anmietung von Dark Fiber eine vollständige Kontrolle über die Performance und die Kosten.

Insgesamt lässt sich die Europäische Union die Aufrüstung des 34 Länder zusammen bindenden Netzes 93 Millionen Euro bis 2008 kosten. Die beteiligten 30 nationalen Forschungsnetze (National Research and Education Networks, NREN) legen noch etwas mehr drauf bis zum Gesamtetat von 200 Millionen Euro. Rechtzeitig zum Start wurde der Name des bei der Ausschreibung siegreich hervorgegangenen Netzausstatters verkündet, es ist die französische Alcatel, die die angemieteten Dark-Fiber-Leitungen mit aktiven Komponenten ergänzen und in Betrieb nehmen soll.

Das Netz soll noch mehr Kapazität bei der Bewegung großer Datenmengen bis in den Petabyte-Bereich bringen, etwa beim Live-Zugriff auf Radioteleskope wie beim European VLBI Network oder Online-Datensammlungen wie den Biological Collection Access Service for Europe. Auch den mobilen Zugriff auf eigene Ressourcen von jedem Ort innerhalb des Géant-Netzes möchte die EU ermöglichen: Die Forscher sprechen vom europäischen Roaming, das möglichst durch ein Single-Sign-on ergänzt werden soll. Dafür wird im Übrigen auch mit IPv6-Adressen experimentiert.

Eine der Schwierigkeiten ist allerdings nach Angaben der Projektmacher ein "Digital Divide" in der Netzinfrastruktur, der unter anderem von unterschiedlichen Marktpreisen für Dark Fiber herrührt. Nicht überall kann man im Übrigen gleich mit exklusiv angemieteten Verbindungen starten. Zwar laufen für eine Reihe von Ländern wie Polen, Estland, Litauen und Lettland bereits Studien zur Netzinfrastruktur. In Portugal allerdings werde man noch auf absehbare Zeit auf den Anschluss via Spanien angewiesen sein. Die genaue Topologie des Netzes soll laut Dante, der für den operativen Betrieb von Géant und nun auch Géant2 verantwortlichen nicht-kommerziellen Organisation der nationalen Forschungsnetze, in den nächsten Tagen bekannt gegeben werden. Auch an manchen der 3500 Universitäten und Forschungsnetze muss nachgerüstet werden.

Auf ihr Netz, das im Übrigen an die großen Forschungsnetze in Japan, Kanada, China und den USA angebunden ist, sind die Europäer ziemlich stolz: "Die Zersplitterung US-amerikanischer oder japanischer Forschungsnetze macht es für Forscher dort schwieriger, Ressourcen effektiv zu nutzen und den gesamten Wissenschaftsbetrieb mit Diensten zu versorgen", schreiben die Géant-Experten bei der EU-Kommission in ihrem Memo. "Darum hat Géant einen beachtlichen Vorsprung mit Blick auf technische Kapazitäten und operative Erfahrungen." Die zuständige EU-Kommissarin Vivianne Reding sprach während der Eröffnungsveranstaltung von einem "gigantischen Schritt", der Forschern in Europa ermögliche, "besser und schneller verbunden zu sein als irgendwo anders in der Welt." (Monika Ermert) / (jk)