Keine Berührungsängste: Fujifilm Z800EXR

Bei Smartphones sind Touchscreens längst selbstverständlich, in Digitalkameras dürften sie bald ebenso zum Alltag gehören. Was durchaus zu begrüßen wäre, wie es die Fujifilm FinePix Z800EXR beweist.

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Lesezeit: 10 Min.
Von
  • Robert Seetzen
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Erstaunlich schlank kommt die Z800 trotz ihres Fünffach-Zooms daher, das kompakte Metallgehäuse ist mit 20 Millimetern Tiefe kaum dicker als manches mobile Telefon. Entsprechend bequem passt sie in Hosen- oder Jackentaschen, unterwegs fällt sie ebenso wenig zur Last wie meine inzwischen etwas betagte Ixus 860. Deren Weitwinkelbereich endet allerdings bei 28 Millimetern, die 35 Millimeter der FinePix sind für meinen Geschmack etwas zu nah an der Normalbrennweite. Dass ich die Z800 dennoch auf Anhieb ins Herz geschlossen habe, verdankt sie ihrer Bedienführung über einen berührungsempfindlichen Bildschirm.

Anders als ein kapazitiver Touchscreen zum Beispiel eines Smartphones arbeitet das Display der Z800 mit einer druckempfindlichen resistiven Beschichtung. Deshalb reagiert es auf Berührungen mit dem Finger etwas träger, aber im Gegenzug lässt es sich auch ohne unmittelbarem Hautkontakt bedienen – ein kurzer Praxistest mit Skihandschuhen hat erstaunlich gute Resultate geliefert. Keine Kamerafunktion blieb verschlossen – eine herkömmliche, per Tasten gesteuerte Kamera hätte ich mit Handschuhen nicht annähernd so gut bedienen können. Stifte und ähnliche Gegenstände kommen ebenfalls für die Menüführung der FinePix in Frage.

Die Handhabung der Z800 hat sofort Spaß gemacht – ihre Menüs wirken übersichtlich und alle Symbole lassen auf Anhieb erkennen, worum es jeweils geht. Auch technisch unerfahrene Fotografen dürften mit der FinePix gut zurecht kommen. Eine für Einsteiger besonders praktische Funktion bietet die "Touch & Shoot"-Auslösung, bei der ein Fingertipp auf den Bildschirm in einem Schritt den für die Fokussierung relevanten Bildbereich markiert und anschließend die Aufnahme startet.

Bei längerer Nutzung fallen allerdings auch einige Unstimmigkeiten auf. Verwirrung können zum Beispiel die Besonderheiten der verschiedenen Automatikmodi stiften. So steht die "Touch & Shoot"-Funktion nur in einem eigenen, gleichnamigen Betriebsmodus zur Verfügung und nicht etwa auch in den verschiedenen Szenen-Programmen, der vollautomatischen Betriebsart oder der "EXR"-Automatik. Letztere wäre mit ihrer umfangreichen Motivanalyse das für Einsteiger vermutlich interessanteste Programm. Hier wählt die Kamera je nach aktuellem Bildinhalt ein passendes Motivprogramm und einen der drei für Auflösung, Rauschen und Dynamik bedeutsamen "EXR"-Betriebsmodi des Bildsensors. Dass die "Touch & Shoot"-Funktion in der EXR-Automatik fehlt, zwingt viele Anwender zu einer eigentlich unnötigen Entscheidung zwischen zwei verschiedenen Betriebsmodi.

Ungenutzte Potentiale sind auch in der allgemeinen Handhabung aufgefallen. Fast die gesamte Bedienführung basiert auf dem Antippen von Bildschirmelementen, einzig das Blättern zwischen gespeicherten Fotos kann auch mit einer Wischgeste gesteuert werden. Sogar für das Verschieben eines vergrößerten Bildausschnitts blendet die Z800 vier Steuerungsknöpfe ein, statt die intuitivere Direktsteuerung durch einfaches Ziehen zu erlauben. Das Einstellen der Belichtungskorrektur wäre mit einer Wischgeste ebenfalls einfacher zu bewerkstelligen als über die beiden von der Z800 angezeigten Steuerungsfelder. Multitouch-Gesten, etwa das Auseinanderziehen von zwei Fingern zur Vergrößerung eines Bildausschnitts, sind der Z800 völlig fremd. Den Bedienungskomfort aktueller Smartphones sollten Käufer der FinePix also nicht erwarten.