Lektion für Journalisten: Programmieren tut nicht weh

Beim scoopcamp tauschten sich Journalisten, IT-Vordenker und Medienmacher zu Journalismus-Trends aus.

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Von
  • Marcus Lindemann

Cloud Computing, Crowdsourcing, Social Media, User Interfaces – Journalisten durften bislang hoffen, dass sie sich nicht damit befassen müssen, solange sie nicht im Ressort Computer und Technik arbeiten. Doch auch jenseits der computer-affinen Online-Redaktionen werden sich Journalisten damit vertraut machen müssen – das ist jedenfalls der Eindruck, der beim scoopcamp in Hamburg am gestrigen Mittwoch vermittelt wurde.

Programmierer werden von den Journalisten lernen und Journalisten müssten umgekehrt akzeptieren, dass Programmieren nicht wehtue – meint Aron Pilhofer, der bei der New York Times am Multimediadesk sitzt und mit 10 Kollegen multimediale Grafiken entwickelt. In Zukunft müssten Journalisten und Programmierer zusammenarbeiten. Pilhofer sieht seine Aufgabe darin, dem Leser, egal ob im Print oder Online nicht, einfach Daten in Tabellen vorzusetzen, sondern ihn durch eine geeignete Visualisierung auf Zusammenhänge und Aussagen in diesen Daten hinzuweisen, diese herauszuarbeiten, das Schöne in den Daten zu finden und zu zeigen.

Dass es sich lohnen kann, zeigen Beispiele, die auf dem scoopcamp präsentiert wurden. Die dpa-Tochter RegioData zum Beispiel bereitet nackte Daten auf und macht sie zu interessanten Geschichten, zum Beispiel in Form einer interaktiven Karte für das Web. Zeit Online und die Rhein Zeitung nutzen Social Media, um mit den Lesern in Kontakt zu kommen, um eigene Fehler auszubessern oder sogar neue Geschichten zu finden.

Bei der Informationsvermittlung spielt auch die Aufbereitung speziell für das jeweilige Darstellungsmedium eine große Rolle. Oliver Reichenstein von der Design-Agentur Information Architects berichtete von seinen Erfahrungen beim Designern fürs iPad. Von ihm stammt die App Writer: Wenn Web-Design Lego ist, sei iPad-Design wie die Kleinkindvariante Duplo – alle Teile seien größer, sperriger.

Der Tagungsort Auswandererstadt bietet die passende Symbolik: Sie stehe für einen Ort, an dem Auswanderer ins Fremde, Ungewisse aufbrachen und auf eine chancenreiche Zukunft hofften, sagte Christoph Dernbach von dpa zum Schluss. Das war Prophezeiung für die Digital-Jünger und Drohung an die Analog-Fraktion zugleich. Wer keine Zeit für die Teilnahme hatte, findet in diesem EtherPad eine Linksammlung zu den Vorträgen. (jo)