Lizenz zum Geld-Drucken

Eine neue Software von Hewlett-Packard befreit Online-Ausdrucke von Layout-Müll und Werbebannern. Dafür fügt sie beim Druck neue Anzeigen ein, die dem Konzern zusätzlichen Umsatz bringen sollen.

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Von
  • Tom Simonite

Eine neue Software von Hewlett-Packard befreit Online-Ausdrucke von Layout-Müll und Werbebannern. Dafür fügt sie beim Druck neue Anzeigen ein, die dem Konzern zusätzlichen Umsatz bringen sollen.

Webseiten auszudrucken ist noch immer eine unbefriedigende Angelegenheit: Wählt man die Druckansicht der Seite aus, gehen oft auch wichtige Grafiken verloren – vorausgesetzt, der Seitenbetreiber bietet überhaupt eine Druckansicht an. Wählt man das komplette Layout, blähen Banner und Layout-Müll den Ausdruck auch eines kurzen Textes schon mal auf mehrere Seiten auf – was Tinte und Papier verschwendet. Hewlett-Packard (HP) will beide Probleme nun mit einer neuen Druckersoftware lösen.

„Statistiken zeigen, dass die Hälfte aller Ausdrucke auf HP-Geräten aus dem Web stammen“, sagt Parag Joshi vom HP Multimedia Interaction and Understandig Lab in Palo Alto. „Das Ergebnis sieht im Vergleich zu PDF- oder Textdokumenten aber oft schrecklich aus.“ Joshi und sein Kollege Sam Liu haben eine Software entwickelt, die aus einer Webseite die wesentlichen Textblöcke und Bilder herausfiltert und alle anderen Seiteninhalte wie Navigationselemente oder Werbebanner entfernt. Umgekehrt kann die Software aber auch in den Ausdruck kontextabhängige Anzeigen einbetten. „Auf diese Weise könnte HP zusätzlichen Umsatz generieren“, sagt Liu, „während der Nutzer Geld in Form von Papier und Tinte spart und ein besseres Ergebnis bekommt.“

Welche Anzeigen passen, ermittelt die Software mit einer Echtzeit-Analyse des auszudruckenden Inhalts. „Hierfür setzen wir Maschinenlern-Algorithmen ein, die semantische Kategorien ermitteln“, erläutert Liu. Die Anzeigen würden dann anhand dieser Inhaltskategorien ausgewählt und könnten auch hinsichtlich des Layouts der Seite angepasst werden.

Zum Beispiel könnten an das Ende einer Seite Coupons zum Ausschneiden platziert werden, mit denen der Nutzer in einem Geschäft einen Rabatt bekommt. In der Offline-Welt sind etwa Kassenbons von Supermärkten auf der Rückseite mit solchen Coupons versehen.

Wie aber findet die Software heraus, welche Bausteine einer Webseite wichtig sind und welche nicht? Dazu analysiert sie, wie Text und Bilder auf der Webansicht der Seite verteilt sind. Werbebanner etwa seien oft mit einem entsprechenden Hinweis versehen, zudem hätten sie keine Bildunterschrift, nennt Liu ein Beispiel. Auf diese Weise ließen sie sich von Bildern unterscheiden, die einen inhaltlichen Beitrag darstellen.

Das Schema ist ähnlich wie beim Plug-in „Readability“ für Apples Safari-Browser: Es entfernt alles außer dem reinen Textkörper – der in der Seitenbeschreibungssprache HTML markiert ist – und bringt diesen in ein schlichtes, sauberes Layout. Die HP-Software erhält zudem aber auch alle Bilder, die zu einem Text gehören, und formatiert alles zu einem sinnvollen Druck-Layout. Denn das kann sich über mehrere Seiten erstrecken. Bei herkömmlichen Ausdrucken werden zu große Bilder schon mal auf die nächste Druckseite verschoben, was leere Flächen produziert.

Das finale Layout funktioniert ähnlich wie bei einem Zeitungslayout, das Texte in Spalten anordnet. „Damit werden Dokumente möglich, die wie aus einem Nachrichtenmagazin aussehen“, sagt Liu. Um noch mehr Papier zu sparen, soll die Software in einer erweiterten Version sogar mehrere Webseiten zu einem einzigen Ausdruck kombinieren können. „Damit könnten Sie aus RSS-Feeds, die Sie abonniert haben, automatisch ein kleines Magazin erstellen“, sagt Joshi.

Er beobachte seit einiger Zeit, dass die Lesbarkeit von Webseiten an Bedeutung gewinne, sagt Richard Ziade vom New Yorker Design-Büro Arc90, der das Readibility-Plug-in entwickelt hat. „Als wir Readibility herausbrachten, war die Resonanz enorm, wir hatten da wohl einen Nerv getroffen“, berichtet Ziade. Lange hätten die Nutzer schlechtes Webdesign hingenommen, weil die Inhalte ja gratis waren. Das ändere sich nun und habe zu Anwendungen wie Readibility, Instapaper oder der iPad-App Flipboard geführt, die Artikel zu einer Art Magazinseite anordnet. Zu diesem Trend gehöre auch die Software von HP.

Ziade ist allerdings skeptisch, ob es einen großen Markt für bessere Webausdrucke gibt. „Wahrscheinlich drucken nicht viele all das aus, was sie auf einem tragbaren Gerät lesen.“ Und die Apps für eine bessere Lesbarkeit am Bildschirm würden sich schnell weiterentwickeln.

Zunächst einmal testet HP seine Software als Plug-in für die Browser Firefox und Internet Explorer, die laut W3C-Statistik zusammen auf rund 75 Prozent aller Rechner genutzt werden. Klickt ein Nutzer auf den entsprechenden Button, wird die Druckformatierung für die Seite – samt Einbau von Anzeigen – an einen Cloud-Computing-Dienst übergeben. Der schickt das fertige Layout auf den Rechner zurück, von wo es in den Drucker geht.

2011 soll die Software auch als Anwendung für den Druckdienst ePrint von Hewlett-Packard zur Verfügung stehen. Mit Hilfe von ePrint lassen sich Dokumente von Mobilgeräten per Email an einen Rechner schicken, die mit einem Drucker verbunden sind. (nbo)