SDL International schluckt US-Rivalen Trados
Der Markt fĂĽr Anbieter von Translation Memory Software wird etwas ĂĽberschaubarer.
Die britische IT-Dienstleistungsfirma SDL International hat am heutigen Montag ein Übernahmeangebot in Höhe von rund 50 Millionen Euro für seinen kleineren Rivalen Trados unterbreitet. Die Anteilseigner der beiden Firmen -- unter anderem Microsoft bei Trados -- müssen der Übernahme noch zustimmen, aber SDL verkauft bereits auf seiner Website Trados-Produkte. Das 1984 in Stuttgart gegründete Unternehmen Trados entwickelt und vertreibt wie sein britischer Konkurrent eine Datenbanksoftware, in der "Übersetzungseinheiten" gespeichert werden. Die Technologie dahinter heißt Translation Memory Software (TM-Software).
Jochen Hummel, Geschäftsführer der Trados GmbH in Stuttgart, sagte gegenüber heise online, die zwei TM-Produkte von Trados und SDL würden erst langfristig fusionieren und vorerst nebeneinander existieren. Die angekündigte Version 7 von Trados soll in Kürze lieferbar sein, daran ändere das Übernahmeangebot nichts. Es gebe keine konkreten Pläne für einen Arbeitsplatzabbau in Deutschland. Trados hat laut Firmenangaben knapp 50 Angestellte in Deutschland.
TM ist kein maschinelles Übersetzungstool wie Systran oder Babelfish. Hat ein Übersetzer beispielsweise schon einmal den Satz "Irrtümer und Änderungen vorbehalten" als "Subject to change without notice. Errors and omissions excepted" übersetzt, dann speichert das Programm die Übersetzung und schlägt sie automatisch vor, wenn der Satz als "100% Match" noch einmal vorkommt. Es ist aber auch möglich, eine zweite Übersetzung -- wie "Subject to change without notice. E&OE" -- dazuzunehmen und die zwei Sätze kundenspezifisch vorgeschlagen zu bekommen.
In technischen Texten kann TM-Software die Arbeit stark beschleunigen, besonders wenn eine Bedienungsanleitung für ein neues Modell herauskommt und sich vor allem die Zahlen ändern, denn diese werden in der Übersetzung automatisch mit geändert. TM-Software hat auch eine Wörterbuchfunktion, aus der der Nutzer mit einer Tastenkombination vorgeschlagene Begriffe übernehmen kann. Allerdings muss der Nutzer das Wörterbuch selbst füllen, denn noch gibt es keine TM-Wörterbücher zu kaufen. Langenscheidt hat aber im September 2003 eine Schnittstelle angekündigt. Claudia Schreck, die die Zusammenarbeit mit Trados bei Langenscheidt betreut, sagte gegenüber heise online, dass sich die Wörterbücher mit Schnittstelle zu Trados noch in der Betaphase befinden. Sie sollen aber noch in diesem Jahr auf den Markt kommen und leicht teurer als die herkömmlichen CD-Wörterbücher sein.
Laut einer Umfrage unter den Mitgliedern der Localization Industry Standards Association (LISA) verwenden heute 71 Prozent der Befragten Trados. SDLX wird von 28 Prozent der LISA-Mitglieder benutzt. Allerdings haben viele Unternehmen und Übersetzungsbüros mehrere Produkte im Einsatz, denn jedes der Programme hat seine Macken. Weitere Produkte auf diesem Markt sind Déja Vu und das deutsche Transit oder Across.
Der TM-Markt ist klein -- es gibt weltweit rund 60.000 Trados-Lizenzen. So wird sich denn auch vermutlich keine Kartellbehörde für die Übernahme interessieren. Anwender zeigten sich aber heute schon in Internetforen besorgt darüber, dass die Preise für die zwei Produkte steigen könnten. Trados 7 Freelance kostet derzeit 755 Euro, SDLX 2005 zwischen 695 und 3995 US-Dolar. Sollte es zu Preissteigerungen kommen, dürfte sich einer sicher freuen: Yves A. Champollion, der einzelkämpferische Entwickler des TM-Programms Wordfast, das die Datenbankformate des Marktführers liest, aber nur 180 Euro bei der Anschaffung kostet; Upgrades sind kostenlos. Alleine das Upgrade von Trados 6.5 auf 7.0 kostet hingegen 175 Euro. (Craig Morris) / (anw)