Eine Woche Arbeitslosengeld II im Computer: Viele Nachfragen nötig

39 Mainzer Arbeitsvermittler des A2LL-Teams wollen bis zum 10. Dezember alle rund 10.000 an die Betroffenen ihrer Region verschickten Anträge auf Arbeitslosengeld II erfasst haben.

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Von
  • Daniel Bouhs
  • dpa

Das Zauberwort A2LL beherrscht seit einer Woche die Mitarbeiter vieler Arbeitsagenturen ganz konkret. Es steht für die neue Software, mit der die Daten für das Arbeitslosengeld II eingegeben werden -- und für viel Arbeit. 39 Mainzer Arbeitsvermittler des A2LL-Teams wollen bis zum 10. Dezember alle rund 10.000 an die Betroffenen ihrer Region verschickten Anträge auf Arbeitslosengeld II erfasst haben. Überstunden sind nicht ausgeschlossen, viele verzichten zudem bis zum Jahresende auf ihren Urlaub. Nach dem technisch nur kurz verzögertem Beginn der Erfassung am Montag stellte sich schnell heraus: Nicht die Software könnte zum Problem werden, sondern die Angaben der teils stark verunsicherten Betroffenen.

Die 16-seitigen Formulare hat die Zentrale der Arbeitsagentur in Nürnberg verschickt. In Rheinland-Pfalz und dem Saarland insgesamt knapp über 100.000 Mal. In letzter Zeit kommen immer mehr Anträge ausgefüllt zurück. "Wir haben mittlerweile 68 Prozent aller rund 10.000 verschickten Formulare bekommen", sagt der Teamleiter für das ALG II in der Mainzer Agentur, Wolf von Gilgenheimb. Noch vor einem Monat waren es knapp 20 Prozent. Im Landesvergleich liegt Rheinhessen damit nach Angabe der Nürnberger Zentrale jedoch noch immer unter dem Schnitt von 78 Prozent.

Von Gilgenheimb ist dennoch optimistisch: "Wenn wir alle Anträge rechtzeitig bekommen, können wir die Bearbeitung bis zum 10. Dezember abschließen." Dann sollen alle Betroffenen per Bescheid erfahren, mit wie viel mehr oder weniger sie nach der Reform leben müssen.

Bei den Mitarbeitern wie der jungen Sachbearbeiterin Anja Mroczek stapeln sich die rötlichen Mappen mit den fünf großen schwarzen Lettern ALG II. Gut 50 hat sie bislang in ihren ersten Arbeitstagen abgearbeitet. Jede Mappe ist ein Fall, die Datenerfassung beginnt daher mit der "Bedarfszuweisungsnummer" des Arbeitslosen- oder Sozialhilfeempfängers. Gearbeitet wird mit der Software im Internet.

Mroczek gefällt dieser neue Umgang. "So angenehm sollten alle unsere Programme zu bedienen sein", schwärmt sie und klickt sich durch einen Fall. Sie bleibt bei der Maske stehen, die am häufigsten Probleme macht: Es geht um die Unterkunft des Antragstellers. Mieten seien oft unklar, bei uralten pauschalisierten Verträgen etwa die Miet- nicht von den Nebenkosten zu trennen. Da hilft auch die Software nicht weiter. Die Sachbearbeiter müssen wieder zum Telefon greifen und in Einzelgesprächen die Daten so trennen, dass die Software daraus korrekt die Stütze errechnen kann.

Teamleiter von Gilgenheimb hat am Ende der ersten Woche noch weitere Probleme in Erfahrung gebracht: "Bisher war der Wert des Autos noch kein Thema. Jetzt spielt das eine entscheidende Rolle, wie hoch die Bedarfszuweisung am Ende ausfällt", erklärt er. Und: "Wir haben zuvor nie nach einzelnen Daten der Sozialversicherungen gefragt. Das System erkennt falsche Angaben jedoch als Fehler und verweigert eine Berechnung." Verunsicherte Kunden verwechselten ihre Daten auch oft, etwa die Renten- mit der Krankenversicherungsnummer. Auch dann wird die Erfassung durch Nachfragen unterbrochen. Insgesamt seien die Kunden aber kooperativ und erleichterten so die Arbeit.

"Die neue Software lief bisher tadellos", sagt von Gilgenheimb nach der ersten Woche. Er ist zuversichtlich, die große Datenmenge zu schaffen. Eine Urlaubssperre gibt es in Mainz offiziell nicht. "Die meisten Mitarbeiter haben sich allerdings nach dem Arbeitsaufkommen gerichtet und nicht frei genommen", sagt der Teamleiter beruhigt. "Wenn das Programm weiter so stabil läuft, packen wir das schon." (Daniel Bouhs, dpa) / (tol)