Prag bekommt UMTS ohne WCDMA

Die tschechische T-Mobile-Dependance kauft Breitbandfunk von IP Wireless.

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Mit T-Mobile Tschechien hat IP Wireless den ersten prominenten Käufer seines Breitbandfunk-Systems für das ungepaarte UMTS-Spektrum gewonnen. Neben dem bereits in vielen Ländern genutzten gepaarten UMTS-Spektrum, bei dem getrennte Frequenzbereiche für Download und Upload mittels WCDMA (Wideband Code Division Multiple Access) als Funkstandard genutzt werden, sieht der UMTS-Standard auch ungepaarte Frequenzen für Time-Division-Duplex-Übertragungen vor (Up- und Download auf derselben Frequenz möglich).

Zur Datenübertragung hat das Gremium 3GPP dabei zwei einander ähnliche Standards vorgesehen: Der von China propagierte TD-SCDMA (Time Division Synchronous CDMA) sowie TD-CDMA (auch als UMTS TDD bekannt). Auf Letzterem basiert die von IPWireless vertriebene Technik, die von namhaften Netzbetreibern bislang aber nur zu Testzwecken eingesetzt wird.

T-Mobile Tschechien möchte nun bis Jahresende ganz Prag mit TD-CDMA im 1,9-GHz-Band versorgen. Als maximale Datenrate gibt der Netzbetreiber 4,5 MBit/s an, üblich sollen etwa 512 Kbit/s sein. Innerhalb eines Jahres soll die Hälfte der Bevölkerung Tschechiens den Dienst nutzen können, wobei außerhalb der Hauptstadt Frequenzen im 872-MHz-Bereich genutzt werden sollen. Insgesamt ist die Versorgung von gut 85 Städten geplant. Damit möchte T-Mobile potenziellen Kunden den Verzicht auf einen Festnetzanschluss schmackhaft machen.

Erst zwei Prozent der tschechischen Haushalte haben einen Breitbandanschluss. Gleichzeitig will T-Mobile die Aufrüstung von GPRS zu EDGE weiterführen. "Klassisches" UMTS mit WCDMA und HSDPA/HSUPA will das Unternehmen erst installieren, wenn sich die Technologie anderswo bewährt habe. Neben T-Mobile verfügen auch die Telefonica-Tochter Eurotel und die Vodafone-Tochter Oscar über eine UMTS-Lizenz, bieten aber ebenfalls noch keine entsprechenden Dienste an. (Daniel AJ Sokolov) / (jk)