Buchkritik: Der OpenWrt-Praktiker
Markus Stubbig legt mit seinem Buch eine der wenigen deutschsprachigen Dokumentationen zu OpenWrt vor, dem von Netzwerkenthusiasten geschätzten Router-Linux.
Die ersten Schritte mit OpenWrt, einer verbreiteten Open-Source-Firmware für Router, lassen an den alten Spruch denken: „Unix ist nutzerfreundlich. Es ist jedoch wählerisch, wer seine Freunde sind.“ Dokumentation zu OpenWrt ist meist englischsprachig, detailverliebt und oft überholt. Was aktuell ist, lässt sich nur schwer herausfinden. Eine brauchbare Übersicht gibt Markus Stubbigs Buch: Er fasst darin vier einzelne Bände zu OpenWrt zusammen. Den Inhalt hat er im April 2024 aufbauend auf OpenWrt 23.05 aktualisiert, das im Oktober 2023 herauskam. Heute ist 24.10, erschienen im Februar 2025, die aktuelle Fassung. Stubbig dekliniert die OpenWrt-Welt anhand eines konstruierten Labornetzes durch, das mehrere Standorte vernetzt – das setzt gleich einen wichtigen Punkt: Das Buch richtet sich eher an professionelle Nutzer denn an Leute, die OpenWrt für ein kleines Netz benötigen.
Stubbig spannt auf fast 500 Seiten einen großen Bogen: Er hechelt über neun VPN-Techniken, zeigt Methoden zur zentralen Administration mehrerer OpenWrt-Instanzen und befasst sich mit dynamischem Routing sowie Hochverfügbarkeit – jedes Kapitel liefert interessante Einsichten. Doch oft trifft man im Text auch auf Allgemeinplätze zur Netzwerktheorie, etwa zum OSI-Schichtenmodell.
Tipps für Praktiker kommen entgegen dem Anspruch des Titels vielfach zu kurz. Stubbig erklärt zwar die Updatemethoden, nämlich per Paketupdate oder neuem Image mit begleitender Konfigurationssicherung, er empfiehlt aber keine Methode. In der OpenWrt-Welt rät man von Massenpaketupdates zur Aktualisierung tendenziell aber ab. Auch lässt das Werk eine Einführung in die im Vergleich zu anderen Router-Softwarelösungen unkonventionell benannte Welt von Interface, Connector und Gerät missen.
Wer nicht unbedingt Praxisanleitungen sucht, sondern sich einen breiten Überblick über die Möglichkeiten und Extras von OpenWrt verschaffen will, profitiert von Stubbigs Buch. Vertiefen wird man das meiste dann doch wieder woanders müssen, etwa in projektnahen Foren, Wikis et cetera. Ärgerlich beim Kauf des E-Books bei Amazon: Das als Kindle-Edition gekennzeichnete Werk lässt sich mit einem Kindle Paperwhite nicht lesen, sondern verlangt nach der Kindle-App.
Markus Stubbig
Der OpenWrt-Praktiker
Aktualisierte Gesamtausgabe
- BoD – Books on Demand, Hamburg 2024 (2. Aufl.)
- ISBN 978-3759705211
- 496 Seiten, 30 €
- (PDF-/Kindle-E-Book: 20 €)
Videos by heise
(ps)