Livedoor-Gründer Horie verbleibt in Haft
Der zweitgrößte Aktionär des von Betrugs- und Manipulationsvorwürfen erschütterten Internet-Unternehmens, Fuji Television Networks, verkauft unterdessen sämtliche Firmenanteile an den Chef des japanischen Kabelnetzbetreibers Usen.
Der Gründer des japanischen Internet-Dienstleisters Livedoor, Takafumi Horie, sitzt weiterhin in Untersuchungshaft. Einen Antrag auf Haftverschonung lehnte ein Bezirksgericht in Tokio am heutigen Donnerstag ab. Gegen das "Enfant terrible" der japanischen Unternehmerschaft wird unter anderem wegen Kursmanipulation im Zusammenhang mit einer Firmenübernahme sowie Bilanzfälschung ermittelt. Ebenfalls im Gefängnis muss sich Livedoor-Vorstand Fumito Kumagai auf den anstehenden Prozess vorbereiten. Die Haftbefehle gegen drei weitere Livedoor-Manager, die gemeinsam mit Horie und Kumagai Ende Januar verhaftet worden waren, hob das Gericht hingegen auf.
Der zweitgrößte Livedoor-Aktionär, das private Broadcasting-Unternehmen Fuji Television Networks, verkauft unterdessen sämtliche Unternehmensanteile an den Chef des japanischen Kabelnetzbetreibers Usen, Hideyasu Uno. Fuji TV hatte im vergangenen Jahr für 44 Milliarden Yen (rund 311 Millionen Euro) 12,75 Prozent der Livedoor-Anteile erworben und kam damit Übernahmeplänen von Livedoor zuvor, das die Kontrolle über Fujis Radio-Tochter "Nippon Broadcasting Systems" erlangen wollte. Japanischen Medien zufolge zahlt Uno mit 9,5 Milliarden Yen (67 Millionen Euro) weniger als ein Viertel des damaligen Kaufpreises.
Der Börsenwert von Livedoor, dessen Aktie am 14. April vom Kurszettel der Tokioter Börse gestrichen wird, ist seit Bekanntwerden des Betrugsskandals Anfang des Jahres um nahezu 90 Prozent eingebrochen. Fuji TV will die Livedoor-Führungsriege deshalb auf Schadensersatz verklagen. Livedoor hatte Ende September 2005 rund 220.000 Aktionäre, größter Anteilseigner ist Firmengründer Horie mit 17,3 Prozent. Usen-Chef Uno hat vor allem Interesse am populären Internet-Portal sowie den Sicherheitsdienstleistungen des Unternehmens. Japanischen Medien zufolge will Uno weitere Anteile zukaufen und so zum Mehrheitsaktionär bei Livedoor avancieren. Siehe dazu auch:
- Livedoor: Ein kleines Internetportal erschüttert die Börse in Technology Review
- Anklage gegen Ex-Chef der japanischen Internetfirma Livedoor
- Livedoor-Chef in Tokio verhaftet
- Affäre um Internet-Firma bringt Börse in Tokio ins Stocken