c’t-Story: Keine Besserung
Eine durchdigitalisierte Gesellschaft begreift irgendwann, dass individuelle Entscheidungsfreiheit ein ebenso verschwenderischer wie überflüssiger Luxus ist.
(Bild: KI / heise medien)
- Juna Nowak
Die Stimme des Mannes klingt schüchtern. Sie scheint aus dem Inneren des Mantelklumpens zu kommen, den er vor seinem Bauch zusammenpresst: „Guten Morgen, Frau Observatorin. Verehrte Kommission.“
Neben ihm steht seine Frau, die leere Handtasche fest im Griff wie eine Eintrittskarte. Hose, Shirt, Jacke, alles Kunstfaser auf Kunstfaser, das digitale Wasserzeichen blinkt: Handlangerklasse. Früher: nutzlos – mit nichts am Körper als ihren Alimentecs, die wie eine zweite Haut an ihnen klebten. Jetzt: immerhin nützlich genug, um Robotiksystemen vergangener Entwicklungsstufen zur Hand zu gehen. Ein Aufstieg, den Sie Ihrem Sohn Elia verdanken.
Die Observatorin residiert hinter einem kargen Tisch und spricht ihr „Guten Morgen“ aus wie ein Einmalkennwort, das gleich darauf schon nicht mehr gültig ist. Sie hebt nicht mal den Kopf. Die drei Kommissionsmitglieder sieht man lebensgroß auf einem Bildschirm, der die Wand schräg hinter ihr vollständig ausfüllt. Sie sitzen in einer Reihe wie eine Jury. Niemand bietet dem Mann und seiner Frau einen Platz an. Kleine rote Flecken haben sich auf Hals und Gesicht der Observatorin gebildet, heiß, juckend. Ein Zeichen von Ärger oder Allergie gegen die folgende zwischenmenschliche Interaktion? Schwer zu sagen. Ohne Anrede oder weiteres Vorgeplänkel fährt sie fort: „Sie beide wissen, warum Sie hier sind.“
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