c’t-Story: Keine Besserung

Eine durchdigitalisierte Gesellschaft begreift irgendwann, dass individuelle Entscheidungsfreiheit ein ebenso verschwenderischer wie überflüssiger Luxus ist.

Artikel verschenken
vorlesen Druckansicht
c’t-Story: Keine Besserug

(Bild: KI / heise medien)

Lesezeit: 18 Min.
Von
  • Juna Nowak
Inhaltsverzeichnis

Die Stimme des Mannes klingt schüchtern. Sie scheint aus dem Inneren des Mantelklumpens zu kommen, den er vor seinem Bauch zusammenpresst: „Guten Morgen, Frau Observatorin. Verehrte Kommission.“

Neben ihm steht seine Frau, die leere Handtasche fest im Griff wie eine Eintrittskarte. Hose, Shirt, Jacke, alles Kunstfaser auf Kunstfaser, das digitale Wasserzeichen blinkt: Handlangerklasse. Früher: nutzlos – mit nichts am Körper als ihren Alimentecs, die wie eine zweite Haut an ihnen klebten. Jetzt: immerhin nützlich genug, um Robotiksystemen vergangener Entwicklungsstufen zur Hand zu gehen. Ein Aufstieg, den Sie Ihrem Sohn Elia verdanken.

Über die Autorin
Juna Nowak

(Bild: 

Juna Nowak

)

Juna Nowak ist in Duisburg geboren und lebt dort mit ihrer Familie. Sie hat zu einer Zeit Wirtschaftsinformatik studiert, als Frauen in diesem Fach noch die Ausnahme waren. Nach beruflichen Stationen in der Softwareentwicklung und -schulung war sie lange Beraterin für bekannte und weniger bekannte Unternehmen, bevor sie in das bunte Team einer Medienagentur für digitale Lerninhalte wechselte. In ihren Kurzgeschichten lässt Juna Nowak den Alltag ihrer Protagonisten auf unterschiedliche Arten löchrig werden, um den Blick freizugeben auf das Absurde, Groteske und bisweilen auch Dunkle dahinter.

Die Observatorin residiert hinter einem kargen Tisch und spricht ihr „Guten Morgen“ aus wie ein Einmalkennwort, das gleich darauf schon nicht mehr gültig ist. Sie hebt nicht mal den Kopf. Die drei Kommissionsmitglieder sieht man lebensgroß auf einem Bildschirm, der die Wand schräg hinter ihr vollständig ausfüllt. Sie sitzen in einer Reihe wie eine Jury. Niemand bietet dem Mann und seiner Frau einen Platz an. Kleine rote Flecken haben sich auf Hals und Gesicht der Observatorin gebildet, heiß, juckend. Ein Zeichen von Ärger oder Allergie gegen die folgende zwischenmenschliche Interaktion? Schwer zu sagen. Ohne Anrede oder weiteres Vorgeplänkel fährt sie fort: „Sie beide wissen, warum Sie hier sind.“

Das war die Leseprobe unseres heise-Plus-Artikels "c’t-Story: Keine Besserung". Mit einem heise-Plus-Abo können Sie den ganzen Artikel lesen.