Buchkritik: Datenqualität als Existenzfrage
KI bringt im Unternehmensalltag nichts ohne eine verlässliche Datenbasis. Die 17 Artikel des Sammelbands zeichnen den Weg zu datenzentrischem Arbeiten.
- Maik Schmidt
Stefan Brock leitet das AI Excellence Center von Hewlett Packard Enterprise in Zentraleuropa. Er stimmt nicht etwa das viel gehörte Loblied auf künstliche Intelligenz als Wunderlösung für Unternehmensprobleme an. Vielmehr stellt er Daten als zentrale Grundlage von Prozessen in den Mittelpunkt. Um im Zeitalter digitaler Vernetzung mitzuhalten, müssen Unternehmen Brock zufolge von applikationszentrischen Strukturen zu einer datenzentrischen Architektur wechseln.
Dabei geht es ihm nicht unbedingt um die sonst vielfach diskutierten personenbezogenen Daten, sondern primär um Industriedaten, wie sie beispielsweise bei der Produktion von Gütern und beim Erbringen von Dienstleistungen anfallen. Konsequenterweise legt er Entscheidern nahe, einen Chief Data Officer (CDO) mit hinreichenden Kompetenzen zu installieren und die Belegschaft insgesamt für das Thema Datenqualität zu sensibilisieren. Akteure im Unternehmen sollen einander Daten möglichst sicher und sinnvoll zur Verfügung stellen.
Um seine Forderungen zu bekräftigen, hat Brock 17 Artikel von insgesamt 22 Autorinnen und Autoren versammelt. Sie berichten aus verschiedenen Branchen darüber, wie sie digitale Transformation erfahren haben und was der methodische Umgang mit Daten gebracht hat. Die Beispiele kommen etwa von Flughafenbetreibern, Fluggesellschaften und Finanzdienstleistern. Es geht unter anderem darum, wie Großunternehmen versuchen, mithilfe von Datenkatalogen, Data Hubs oder Geschäftsobjektmodellen ihre Datenwüsten in den Griff zu bekommen. Man erfährt aber auch, wie unzulänglich die Situation dort früher war und welche Schwierigkeiten es zu überwinden gab.
Dabei zeigt sich, dass nicht bloß der Wunsch, von KI zu profitieren, den Wandel antreibt, sondern dass oft konkrete Rahmenbedingungen wie gesetzliche Vorschriften die Unternehmen zum Handeln zwingen. So kann etwa die DSGVO als Treiber wirken oder die Notwendigkeit, eine neue Geschlechtskategorie wie „Divers“ zu berücksichtigen.
Es gibt viele gute Gründe für Unternehmen, sich auf die Qualität ihrer Daten und deren optimale Nutzung zu besinnen. Brock und seine Mitautoren liefern dazu eine Fülle von Denkanstößen.
Stefan Brock (Hrsg) mit Hewlett Packard GmbH
Das datenzentrische Unternehmen
Daten als Erfolgsgrundlage im KI-Zeitalter; STEM-Serie
- De Gruyter, Berlin 2025
- ISBN 978-3111047706
- 226 Seiten, 36 € (Epub-/PDF-/Kindle-E-Book: 85 €)
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(psz)