In aller Hände
Wer nur spielen will, wird durch iPad-Apps ebenso bedient wie all diejenigen, die Apples neues Gagdet fĂĽr den Arbeitsalltag nutzen wollen. Aber auch Kreative, Leseratten und Kleinkinder kommen nicht zu kurz.
- Diane Sieger
Seit einigen Monaten ist das iPad in Deutschland erhältlich. Der erste Ansturm auf das Gerät und das wilde Herunterladen sämtlicher kostenloser Applikationen ist abgeflaut und langsam etabliert es sich als Instrument für Geschäftsalltag und Privatleben. Angesichts der zur Verfügung stehenden Applikationen fragt man sich, welche Apps ein Must-have, welche ganz nett, aber nicht zwingend nötig sind, und welche Gimmicks den Besitz eines iPad lohnenswert machen.
Wenn Textverarbeitungsprogramm, Tabellenkalkulation und Präsentationssoftware aus dem Arbeitsalltag nicht wegzudenken sind, sollte die erste Investition für das iPad iWork sein. Das Macintosh-Nutzern bereits bekannte Dreiergespann aus Pages, Numbers und Keynote – jeweils zum Preis von 7,99 € – stellt das Äquivalent zu Word, Excel und PowerPoint auf dem PC dar und erlaubt Office-Workern die mobile Nutzung ihrer Hauptarbeitsmittel. Zu finden sind alle drei unter den „Top Charts“ im iTunes Store. Eine umfangreiche Kritik zu Pages gibt es bei Macnotes.de, Numbers nimmt der Beitrag ebenfalls genauer unter die Lupe.
Wer unterwegs Börsenkurse abrufen möchte, dem sei Bloomberg for iPad empfohlen. Im Gegensatz zum Gros der Konkurrenzprodukte verfügt Bloomberg über umfangreiche News aus der Finanzwelt und erlaubt dem Nutzer, kundenspezifische Aktienportfolios anzulegen. Die Bedieneroberfläche wirkt überfrachtet, die Anordnung der Elemente ist jedoch sinnvoll und nach nur kurzer Zeit hat man sich daran gewöhnt. Der Nachrichtenabschnitt ist personalisierbar und man kann den Bloomberg-Podcast aus der Anwendung heraus herunterladen und abspielen.
Mit den Fingern schnell skizziert
Für kreative Köpfe, die gerne unterwegs spontane Ideen skizzieren möchten, eignet sich Adobes Ideas hervorragend (zurzeit nicht im deutschen Store verfügbar). Bei dieser Applikation handelt es sich um eine Art von elektronischem Konzeptblock, mit dem sich Vektor-Zeichnungen mit nur wenigen Fingerstrichen erstellen lassen. Die Bedieneroberfläche ist übersichtlich und intuitiv. Erstellte Werke kann der Anwender als PDF exportieren und aus der Applikation heraus per E-Mail versenden. Wer die Bedienung der App vor dem Download genauer unter die Lupe nehmen möchte, dem erleichtert vielleicht die Demonstration in Adobes „Design and Web“-Blog die Entscheidung.
Eine der wenigen auch in deutscher Sprache erhältlichen Business-Applikationen für das iPad ist Evernote, ein Notiz-Tool, das viel mehr kann, als nur Merkzettel zu verwalten. Egal, ob es sich um Text handelt, Fotos, Webseiten oder PDFs, Evernote speichert Informationen und lässt sich von verschiedenen Geräten und im Web aufrufen. Das iPad kann als mobile Ergänzung zu Evernote auf dem stationären Rechner dienen oder als eigenständige Applikation verwendet werden. Im Einführungsvideo bezeichnet Evernote sich selbst als Super-Human-Maker. Für eine erste Übersicht über die Hauptfunktionen lohnt sich das Ansehen des YouTube-Clips. 40 MByte Speicherplatz stehen in der kostenlosen Version zur Verfügung, für häufige Nutzung empfiehlt sich ein kostenpflichtiger Premium-Account.
Auch Dropbox fürs iPad hilft, den Überblick zu behalten. Wie bei Evernote kann man über verschiedene Geräte auf Dokumente zugreifen, und alle synchronisierten Daten stehen zusätzlich auf jedem Rechner mit Internetzugang online zur Verfügung. Boxen kann man zudem mit anderen Nutzen teilen und somit das Versenden von Dateien per E-Mail an mehrere Empfänger umgehen. Wer noch unentschlossen ist, kann sich zunächst durch ein Video von den Vorteilen überzeugen lassen.
Aufgrund seiner handlichen Größe bietet sich das iPad selbstredend als Lesegerät an. Bücherwürmer können Apples hauseigenes iBooks nutzen, als Belohnung für den Download gibt es den Klassiker „Winnie the Pooh“ kostenlos dazu. Auch Amazons Kindle stellt eine Applikation zum Lesen von Büchern bereit. Wer nicht beide Apps installieren möchte, findet bei e-book-news.de unter dem Titel „iBooks vs. Kindle-App: Wie man auf dem iPad am besten liest“ eine Zusammenfassung der Stärken und Schwächen beider Apps.
Leseratten, die zwar gern ihre Nase in Bücher stecken, jedoch nicht unbedingt auf der Suche nach dem neusten Bestseller sind, können ihre Lesewut an kostenlos zur Verfügung stehenden Werken befriedigen. Die Applikation Free Books bietet mehr als 23 000 Klassiker zum Gratis-Download an. Noch viel mehr Lesestoff – über 100 000 Werke – gibt es bei Wattpad. Hier hat Otto Normalverbraucher als Teil der Community die Gelegenheit, eigene Romane, Kurzgeschichten und vieles mehr zu veröffentlichen.
FĂĽr GroĂź und Klein
Wer sein iPad bislang nur mit Business-Anwendungen und Reader-Applikationen ausgestattet hat, sollte sich unbedingt auch mit Just-for-Fun-Apps und kleinen Zeitvertreibern beschäftigen. Beispielsweise ist es hilfreich, eine Beschäftigungsmöglichkeit für Kleinkinder auf dem Gerät bereitzuhalten. Selbst die Kleinsten haben den Dreh mit dem verschiedenen Fingergesten auf dem Pad schnell heraus; jetzt gilt es nur noch, kindgerechte Applikationen zu finden, die Spaß machen und die Entwicklung fördern.
Als Beispiel sei hier Sound Touch genannt. Die App zeigt Zeichnungen von Tieren, Fahrzeugen oder Haushaltsgeräten; nach dem Berühren mit dem Finger erscheint ein passendes Foto und das zugehörige Geräusch ertönt. In der Lite-Version stehen einige Tiere und Fahrzeuge zur Verfügung, für 1,59 € lässt sich die Auswahl um ein Vielfaches erweitern. Zu jedem Element gibt es mehrere Fotos, die nach dem Zufallsprinzip angezeigt werden. Zu empfehlen ab einem Alter von 1,5 Jahren.
Weitere gute Spiele für Kleinkinder bietet Jackson Fish Market – einfach als Suchbegriff im iTune Store eingeben und ein oder mehrere Apps für maximal 0,79 € herunterladen.
Natürlich sollen auch Spiele für Erwachsene hier nicht zu kurz kommen. Die Auswahl im iTunes Store ist riesig, und für einen ersten Überblick lohnt sich ein Blick in die Bestsellerlisten auf der Startseite. Besondere Erwähnung sollte jedoch FlightControl finden. Bekannt für den hohen Suchtfaktor ist das Spiel bereits durch die iPhone-Ausgabe, doch wer bislang dachte, die iPad-App sei nur eine etwas größere Variante der Mobiltelefonversion, liegt definitiv falsch. Zum einen vermittelt das Landen von Flugzeugen unter Vermeidung von Zusammenstößen auf dem großen und glänzenden Display des iPad ein komplett anderes Look & Feel. Zum anderen stehen neben den klassischen Flughäfen neue Szenarien zur Verfügung, die auch für geübte Nutzer erneut eine Herausforderung sind. Um die neue Landebahn in 3D zu sehen, benötigt man allerdings eine entsprechende Brille. Alles in allem hat die australische Firma Firemint mit der iPad-Version ganze Arbeit geleistet.
Zum Abschluss noch was zum Schmunzeln: Warum das iPad nicht in jeder Hinsicht eine Zeitung ersetzen kann. (ka)