VoIP-Plattform fĂĽr Service-Provider
Internet-Provider und demnächst auch Geschäftskunden können die Plattform von Toplink als Schnittstelle ins PSTN (Public Switched Telephone Network) nutzen und müssen keine eigene Hardware anschaffen.
Eine zentrale Plattform für Voice-over-IP-Anbieter hat heute die Karlsruher Firma Toplink vorgestellt. Internet-Provider und demnächst auch Geschäftskunden können die Plattform, die im Interxion-Rechenzentrum und damit in Nachbarschaft zum DeCIX steht, als Schnittstelle ins PSTN (Public Switched Telephone Network) nutzen und müssen keine eigene Hardware anschaffen. Eine direkte Verbindung besteht auch zum Frankfurter Peering-Knoten Xchange Point Europe (XPE).
Grundsätzlich bietet Toplink derzeit zwei Modelle an: entweder kann der eigene SIP-Server mit dem SIP-Proxy bei Toplink gekoppelt werden oder die Verbindung wird über einen Radius-Proxy-Server realisiert. Letzteres ermöglicht ein genaues Billing für die Gesprächsminuten. Insgesamt 2 Millionen Euro und ein halbes Jahr Entwicklungszeit haben die Karlsruher in die Entwicklung investiert. 180.000 Kunden können über die Plattform bedient werden.
Aus Sicht neuer VoIP-Anbieter aus dem Provider-Umfeld und auch für Geschäftskunden besonders interessant scheint, dass Toplink ihnen das leidige Rufnummernproblem abnimmt. Über einen Partner kann die Firma Nummern aus allen Ortsnetzen bieten und nimmt auch am Portierungsverfahren teil. Voraussetzung ist allerdings auch hier, dass man nicht am TDSL-Tropf hängt, sonst klappt es mit der Portierung der eigenen Nummer nicht. Frühzeitig habe man sich über die Nummern Gedanken gemacht, zumal Toplink-Geschäftsführer Jens Weller bezüglich des Erfolgs der neuen Rufnummerngasse 032 skeptisch ist. "Die Mehrinvestitionen für einen Carrier belaufen sich auf 200.000 Euro." Weller ist daher skeptisch, dass die 032-Nummern wirklich schnell benutzt werden können.
Probleme, die man im Rahmen verschiedener Tests gelöst hat, betrafen vor allem die vielen Codecs underschiedlicher VoIP-Lösungen bei den Kunden. Unterstützt wird unter anderem VoIP-Hard- und Software von Cisco, SNOM, Aheads SIPPS und Asterisk. Umgeschrieben hat man bei Toplink die Radius-Skripte, um dadurch die Antwortzeiten zu verkürzen. Vorerst hält man alle technischen Fragen für gelöst, drei Provider hat man, so Weller in der vergangenen Woche auf die Plattform gebracht. Jetzt wartet man auf den Ansturm.
Bei den im ENUM-Projekt der DENIC beteiligten Providern waren die ersten Reaktionen unterschiedlich. "Eine solche zentrale Plattform könnte für uns tatsächlich interessant sein", sagt Dennis Schön, Vertriebler bei der Bielefelder Teutonet. VoIP wird derzeit intern genutzt und getestet, ein Angebot für die Teutonet-Kunden samt Anschluss an das PSTN sei "der nächste Schritt". Vor allem die Möglichkeit, das Billing über die Plattform abzuwickeln, ist laut Kurt Jaeger von der Stuttgarter LFNet interessant. "Wenn es dann noch resellerfähig ist, um so besser." Bei vielen ENUM-Registraren gibt es noch keine konkreten Pläne, auch VoIP-Anbieter zu werden. Größere Anbieter neigen dagegen eher dazu, genau zu überlegen, ob sie auf eine solche zentrale Plattform gehen. (Monika Ermert) / (anw)