EU: Unternehmen sollen digitale Identität bekommen

Die EU will einen digitalen Ausweis fĂĽr Firmen einfĂĽhren. Der soll EU-weit gelten, BĂĽrokratie vereinfachen und Funktionen wie Signatur von Dokumenten bieten.

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(Bild: kb-photodesign/Shutterstock.com)

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This article is also available in English. It was translated with technical assistance and editorially reviewed before publication.

Auch Firmen sollen in der EU eine digitale Identität erhalten. Ähnlich wie die für EU-Bürger geplanten EUDI-Wallets soll die European Business Wallet Unternehmen EU-weit eine sichere und vertrauenswürdige Identifikation und Authentifizierung im Geschäftsverkehr sowie gegenüber Behörden ermöglichen. Die EU-Kommission hofft, damit Verwaltungsprozesse zu vereinfachen und für Kostenersparnis zu sorgen – das Sparpotenzial soll bei breiter Anwendung der Wallet über 150 Milliarden Euro pro Jahr betragen.

Die als Teil des Digital-Omnibus-Pakets der EU-Kommission vorgestellte Business-Wallet soll einen rechtlich gleichwertigen Status zu Handlungen bekommen, die persönlich, auf Papier oder durch andere rechtlich anerkannte Methoden vollzogen werden. Neben der Identifikationsmöglichkeit sollen Unternehmen mit der Wallet auch Dokumente signieren, mit Zeitstempeln versehen oder versiegeln können. So könnten Firmen dann auch verifizierte digitale Dokumente wie Lizenzen, Zertifikate und Genehmigungen erstellen und austauschen.

Eine Pflicht zur Unterstützung der europäischen Business-Wallet soll es aber nur für die Verwaltung geben. Unternehmen ist nach dem derzeitigen Entwurf freigestellt, ob sie die Wallet für sich nutzen oder nicht. In einem Begleitdokument zum Gesetzesentwurf veranschlagt die EU-Kommission die Kosten der Einführung in der Verwaltung auf rund 7,33 Milliarden Euro im ersten Jahr, wobei aber 6,18 Milliarden Euro einmalige Implementierungskosten für Trainings, Softwareumstellungen und Ähnliches seien.

Auf die Wirtschaft könnten bei Einführung in dreiviertel aller Firmen etwas über 45 Milliarden Euro an Kosten im ersten Jahr zukommen, davon 25 Milliarden Euro Einmalkosten. Unterm Strich soll das Einsparpotenzial die Kosten für Implementierung und Betrieb aber bei Weitem überwiegen.

Technische Architektur und Funktionen der Business-Wallets sollen auf den EUDI-Wallets fußen und so eine interoperable cloudbasierte Identitätslösung bieten. Wallet-Providern soll es obliegen, kryptografische Integrität und Vertraulichkeit zwischen Backend und Frontend der Walletanwendungen und -geräte zu garantieren. Genaue technische Standards und Anforderungen will die EU-Kommission zusammen mit ihren Mitgliedsstaaten und dem privaten Sektor ausarbeiten und großangelegte Pilotprojekte dazu durchführen.

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Ohnehin muss der Entwurf für die Wallet noch Zustimmung des Europäischen Parlaments und der Mitgliedsstaaten erhalten. Nach Verabschiedung ist derzeit für alle Ebenen der öffentlichen Verwaltung der gesamten EU eine zwei Jahre dauernde Übergangsphase zur Einführung der europäischen Business-Wallet geplant.

(axk)