Blutzuckersensoren: Falsche Werte bei Freestyle Libre

Der US-amerikanische Hersteller Abbott warnt Kunden per Mail vor fehlerhaften Blutzuckersensoren. Die Geräte liefern zu niedrige Werte.

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Person mit Blutzuckersensor mit Smartphone in der Hand

(Bild: Andrey_Popov/Shutterstock.com)

Lesezeit: 3 Min.
Von
  • Dorothee Wiegand
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This article is also available in English. It was translated with technical assistance and editorially reviewed before publication.

Per Mail informiert der Pharmakonzern Abbott seine Kunden derzeit über Probleme mit einem Sensor zum kontinuierlichen Glukosemonitoring (Continuous Glucose Monitoring, CGM). Der Sensor namens FreeStyle Libre wird von Patienten mit Diabetes meist am Oberarm getragen und liefert im Minutentakt Werte ans Handy des Nutzers oder an ein spezielles Lesegerät. In der Regel tragen Personen mit insulinpflichtigem Diabetes einen solchen Sensor, vereinzelt nutzen auch Sportler oder Menschen, die ihre Ernährung optimieren wollen, vorübergehend Geräte dieser Art.

Bei Nutzern der Abbott-Sensoren FreeStyle Libre 3 und 3 plus ist es nun offenbar zu Problemen gekommen. Einige Geräte dieser beiden Versionen senden laut Info-Mail des Herstellers falsch-niedrige Glukosemesswerte. Geht ein Patient fälschlicherweise von sehr niedrigen Blutzuckerwerten aus, dann verwendet er kein Insulin und nimmt in der Regel Traubenzucker zu sich. Die Folge sind deutlich zu hohe Blutzuckerwerte, die aufgrund eines fehlerhaften Sensors jedoch unentdeckt bleiben.

Wenn das Problem über einen längeren Zeitraum bestehe, könne es bei Menschen mit Diabetes zu falschen Therapieentscheidungen führen, heißt es in der Mail weiter. Der Hersteller betont: „Diese Entscheidungen können ernsthafte Gesundheitsrisiken zur Folge haben, einschließlich möglicher Verletzungen oder Todesfälle sowie anderer weniger schwerwiegender Komplikationen“. Abbott hat zudem das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) informiert und eine Sicherheitswarnung veröffentlicht (PDF).

Wie die Deutsche Apothekerzeitung (DAZ) online berichtete, hatte die Allgemeinmedizinerin Laura Dalhaus aus Borken bereits Anfang April 2025 auf das Problem hingewiesen. In einem Kurzvideo auf LinkedIn schilderte sie den Fall eines Patienten, dessen Sensor immer wieder sehr niedrige Werte meldete. Die Werte erwiesen sich jedoch bei einer Kontrollmessung als fehlerhaft.

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Als Reaktion auf ihr Video erhielt die Ärztin unterschiedliche Kommentare. Stellenweise bestätigten Kollegen und auch andere Patienten die Erfahrung mit falsch-niedrigen Werten aus Abbott-Sensoren. Etliche Kommentare fielen jedoch auch kritisch aus. Auf eine Nachfrage der DAZ antwortete der Hersteller damals: „Wir können bestätigen, dass es keine fehlerhafte Charge gibt und keine Produkt- oder Qualitätsprobleme vorliegen.“

Um festzustellen, ob der aktuell verwendete Sensor oder noch nicht benutzte Geräte von dem Problem betroffen sind, können Kunden auf einer eigens eingerichteten Website die Seriennummern ihrer Geräte prüfen. Wer aktuell einen fehlerhaften Sensor nutzt, müsse die Verwendung sofort einstellen und das Gerät entsorgen, schreibt Abbott in der Mail an Kunden. Für jedes betroffene Gerät erhalten Kunden kostenlos einen Ersatzsensor zugeschickt.

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Update

Information ergänzt, dass Abbott das BfArM informiert hat.

(mack)