Versandhändler Otto kämpft mit der Konsumflaute

Beim Online-Handel erreichte Otto erneut ein starkes Wachstum und behauptete sich als weltweit zweitgrößter Online-Händler nach Amazon. Die Partnerschaft mit Microsoft soll die Position weiter stärken.

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  • dpa

Der Hamburger Handels- und Dienstleistungskonzern Otto kämpft mit der Konsumflaute. Nicht zuletzt der hohe Ölpreis habe dem privaten Konsum weltweit Kaufkraft entzogen, sagte Konzernchef Michael Otto am Donnerstag in Hamburg. Besonders ausgeprägt sei die Kaufzurückhaltung erneut in Deutschland gewesen, wo Otto 30 Millionen Kunden hat. "Wir müssen, wie in den vergangenen Jahren, den konjunkturellen Wind selbst erzeugen, vor dem wir segeln", sagte er. Dennoch rechne Otto für die Gruppe im laufenden Geschäftsjahr 2005/06 (28.2.) mit einem Umsatzplus von ein bis zwei Prozent und einem steigenden Gewinn.

Im E-Commerce erreichte Otto erneut ein starkes Wachstum von 18 Prozent und behauptete mit einem Umsatz von 2,3 Milliarden Euro seine Position als weltweit zweitgrößter Online-Händler nach Amazon. In einer Partnerschaft mit Microsoft will Otto am Zusammenwachsen von Computer und Fernsehen profitieren: Auf dem Betriebssystem Windows XP Media Center Edition 2005 ist das gesamte Otto-Warenangebot per Fernbedienung abrufbar.

Das Kerngeschäft des weit verzweigten Konzerns mit 123 Unternehmen in 19 Ländern ist der Einzelhandel über die Vertriebskanäle Katalog, Internet und Filialen. Diesem Konzernbereich mit einem Umsatzanteil von rund zwei Dritteln hat Otto im zurückliegenden Jahr durch eine Reihe von Maßnahmen neuen Schwung gegeben. Zu den wesentlichen Neuerungen zählte der Unternehmenschef das Konzept, künftig drei statt zwei Kataloge im Jahr zu veröffentlichen und die Internet-Seite von Otto auch für andere Marken vor allem aus dem Modebereich zu öffnen. "Wir wollen das führende deutsche Fashion-Portal sein", sagte Otto. Auch weitere Markenartikler wie zum Beispiel Anbieter von Einrichtungsgegenständen und Unterhaltungselektronik sollen auf der Otto-Website anbieten können.

Im vergangenen Geschäftsjahr erreichte die Otto-Group mit gut 54.000 Beschäftigten einen Umsatz von 14,4 Milliarden Euro und einen Gewinn vor Steuern (EBT) von 414 (Vorjahr: 307) Millionen Euro. Der Gewinnanstieg sei vor allem auf das operative Geschäft zurückzuführen. Das Umsatzplus von 0,8 Prozent stammt allein aus dem Ausland, wo Otto mehr als die Hälfte seines Geschäfts macht und um 3,7 Prozent zulegte. Dagegen war der Umsatz im Inland um 2,1 Prozent rückläufig. Wachstumschancen sieht Otto vor allem in Mittel- und Osteuropa und im stationären Einzelhandel. Vom Großhandel will sich das Unternehmen dagegen mittelfristig verabschieden. (dpa) / (jk)