US-Truppen weit entfernt von der Vision der vollständigen Information
Die Hochrüstung der US-Armee mit modernster Überwachungs- und Kommunikationstechnik brachte im Irak-Krieg enttäuschende Ergebnisse.
Der Krieg im Irak war für die USA nicht nur politisch ein Misserfolg: Auch die Hochrüstung der Armee mit modernster Überwachungs- und Kommunikationstechnik brachte enttäuschende Ergebnisse, berichtet das Technologiemagazin Technology Review in seiner aktuellen Ausgabe 11/2004. Die US-Truppen wurden von Technik unterstützt wie noch nie zuvor. Sensoren, Hitzedetektoren und Abhöreinrichtungen erfassten das ganze Land, schnelle Datenverbindungen sollten die Informationen zu den Soldaten bringen. Ein entscheidender Knoten des US-Aufklärungsnetzes fiel aber fast völlig aus: die Truppen an der Front. Das geht aus einem größtenteils geheimen Report des Think-Tanks Rand hervor, den Technology Review als Zusammenfassung einsehen konnte.
So musste der Bataillonskommandant der Dritten Infanteriedivision Ernest Marcone bei einem Gefecht fast völlig ohne Informationen über Stärke und Position der Iraker auskommen. Immerhin eine abgehörte Botschaft erreichte den Oberstleutnant: Eine einzelne irakische Brigade bewege sich in Richtung der Brücke. Schon bald musste er ohne moderne Hilfsmittel erkennen, dass nicht eine Brigade, sondern drei, dazu 25 bis 30 Panzer plus 70 bis 80 gepanzerte Transporte, Artillerie und bis zu 10.000 irakische Soldaten aus drei verschiedenen Richtungen auf ihn zu rückten. "Wir wussten nichts davon, bis sie losgeschlagen haben", sagt Marcone. Dabei ist genau diese Art von konventioneller Schlagkraft eigentlich am leichtesten zu entdecken.
"Wir sind weit entfernt von der Vision der vollständigen Information. Es ist leicht zu erkennen, welchen Preis wir gezahlt hätten, wenn wir einen stärkeren Gegner gehabt hätten", sagte Owen Cote, stellvertretender Direktor des Security Studies Program am MIT, dem Magazin.
Siehe dazu in Technology Review, Ausgabe 11/2004 (ab Donnerstag, den 28. Oktober, im Handel): (anw)