Teures Metaverse: Zuckerberg zieht angeblich die Sparbremse an

Metas Metaverse-Abteilung steht vor einschneidenden Sparmaßnahmen, berichtet Bloomberg. Trotzdem werde weiterhin an neuer Hardware gearbeitet.

vorlesen Druckansicht 21 Kommentare lesen

MWC-Messebesucher im Jahr 2016 auf einer Samsung-Veranstaltung.

(Bild: Meta)

Lesezeit: 3 Min.
close notice

This article is also available in English. It was translated with technical assistance and editorially reviewed before publication.

Mark Zuckerberg zieht für das nächste Jahr eine substanzielle Kürzung der Metaverse-Ausgaben in Betracht. Laut der Nachrichtenagentur Bloomberg wird ein Einschnitt des Jahresbudgets von bis zu 30 Prozent erwogen. Das sei deutlich mehr als die etwa zehn Prozent, die Zuckerberg normalerweise als Richtwert vorgibt.

Der Großteil der Sparmaßnahmen dürfte die VR-Abteilung treffen, die unter anderem die Metaverse-Plattform Horizon Worlds und Quest-Geräte entwickelt, sagen Bloombergs Quellen.

Die Sparvorgabe wurde angeblich erhöht, weil der Wettbewerb ausgeblieben ist, den das Unternehmen ursprünglich erwartet hatte. Kürzungen in dieser Höhe würden höchstwahrscheinlich Entlassungen beinhalten, möglicherweise schon ab Januar. Eine finale Entscheidung bezüglich der Einschnitte sei jedoch noch nicht gefallen.

Anfang des Jahres gelangte eine interne Memo an die Öffentlichkeit, in der Reality-Labs-Chef Andrew Bosworth Druck auf seine Abteilung machte und Angestellte aufforderte, Verkäufe und Nutzeraktivität insbesondere im VR-Bereich zu steigern. Er bezeichnete 2025 als ein entscheidendes Jahr für Reality Labs. „Dieses Jahr wird wahrscheinlich entscheiden, ob all unsere Arbeit als visionärer Durchbruch oder als legendäres Missgeschick in die Geschichte eingehen wird“, schrieb Bosworth.

Das Unternehmen investiert seit mehr als zehn Jahren in Virtual und Augmented Reality und benannte sich 2021 sogar von Facebook in Meta um, um die strategische Ausrichtung auf das Metaverse hervorzuheben.

Videos by heise

Der Analyst Matthew Ball schätzt, dass Meta im vergangenen Quartal die Marke von 100 Milliarden US-Dollar an Metaverse-Ausgaben überschritten hat. Den astronomisch hohen Ausgaben stehen vergleichsweise geringe Einnahmen gegenüber: Seit Ende 2020 liegen die Erlöse bei etwa zehn Milliarden US-Dollar, vornehmlich aus dem Verkauf von VR-Hardware.

Das Metaverse-Projekt ist und dürfte auf absehbare Zeit ein massives Verlustgeschäft bleiben.

(Bild: Tomislav Bezmalinović / heise medien)

Auch wenn Metas Metaverse-Abteilung Reality Labs bislang vor allem durch Meta Quest und die Ray-Ban Meta-Brillen Sichtbarkeit erlangte, floss ein Großteil dieser Investitionen in ein Produkt, das noch gar nicht erschienen ist: Metas kommende AR-Brille. Da es sich hierbei um ein Leuchtturmprojekt des Konzerns handelt, dürfte dessen Entwicklung nicht von den Sparmaßnahmen betroffen sein. Auch die KI-Brillen dürften innerhalb der Reality Labs zu den prioritär behandelten Projekten gehören, da sie erste Verkaufserfolge feiern und einen branchenweiten Wettlauf um Smart Glasses auslösten.

heise online XR-Briefing abonnieren

Jeden zweiten Montag, liefern wir Ihnen die wichtigsten Entwicklungen der XR-Branche. Damit Sie alles im Blick behalten.

E-Mail-Adresse

Ausführliche Informationen zum Versandverfahren und zu Ihren Widerrufsmöglichkeiten erhalten Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Die aktuelle Generation der VR-Brille Meta Quest hingegen blieb wegen rückläufiger Verkäufe hinter den Erwartungen des Konzerns zurück. Das bedeutet jedoch nicht, dass Meta keine neue Hardware mehr entwickeln wird. Bloombergs Quellen zufolge hält das Unternehmen an der Entwicklung von Geräten für Endverbraucher fest.

Laut mehreren Berichten verfolgt Meta im nächsten Jahr einen neuen Ansatz und wird statt einer Meta Quest 4 eine besonders leichte VR-Brille für Medienkonsum vorstellen. Der frühere Interface-Design-Chef von Apple, der gerade erst zu Meta gewechselt ist, dürfte dabei helfen, das Interface der Geräte zu verbessern. Dieses gilt als eines der größten Schwachpunkte der VR-Systeme.

Update

Meta hat mit einer Stellungnahme in der New York Times auf die Gerüchte reagiert:

"Wir verlagern einen Teil unserer Investitionen innerhalb unseres Reality-Labs-Portfolios vom Metaverse hin zu KI-Brillen und Wearables, angesichts der dort bestehenden Dynamik. Wir planen darüber hinaus keine weitergehenden Änderungen."

In der Stellungnahme bestätigt Meta lediglich eine Umverteilung, aber keine Reduzierung des Reality-Labs-Budgets, und geht auch nicht auf das Ausmaß dieser Umverteilung ein.

(tobe)