Und es ward Licht

Eine neue Ökobilanz der EMPA zeigt: Es gibt genau ein Argument für Glühbirnen und gegen Energiesparlampen – und es hat nicht mit Quecksilber zu tun.

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Von
  • Niels Boeing

Als ich vorgestern in einer Drogerie ratlos vor der Vielfalt der Staubsaugertüten stand, rauschte neben mir eine Frau mit einem Seufzer auf das Glühbirnenregal zu. Sie schien ziemlich erleichtert, eine alte, Energie verschlingende Technologie kaufen zu können. Deren Lobpreisung hatte ich mir erst kürzlich anhören müssen, als ein Freund mir darlegte, warum Energiesparlampen für ihn "gar nicht gehen": Dieses kalte Licht mache die Menschen krank, Glühbirnen hingegen hätten ein Spektrum, das dem des Sonnenlichts entspreche (warum gibt es dann teure Tageslichtlampen?). Und dann sei da ja noch das Quecksilberproblem bei der Entsorgung.

Das Quecksilberproblem ist gewissermaßen zum ökologischen Rettungsanker geworden für alle, die nicht nur mit simpler Ästhetik argumentieren und etwas dämlich dastehen wollen, weil sie eine Technologie unterstützen, die rund 95 Prozent des eingesetzten Stroms in Wärme und fünf Prozent in Licht umwandelt. Die Schweizer EMPA hat nun allerdings noch einmal bestätigt, dass das Quecksilberproblem zu vernachlässigen ist: "...selbst beim Verbrennen der Energiesparlampen in einer Kehrichtverbrennungsanlage ist das vielfach kritisierte Quecksilber mengenmässig unbedeutend. Denn den überwiegenden Anteil an Quecksilber in der Umwelt verursachen Kraftwerke, die mit fossilen Brennstoffen betrieben werden."

Ein Braunkohlekraftwerk stößt pro Kilowattstunde Strom 0,042 Gramm Quecksilber aus, ein Steinkohlekraftwerk 0,045 Gramm. Pro Stunde emittiert dann ein Kohlekraftwerk mit einem Megawatt Leistung so viel Quecksilber, wie in 8400 bzw. 9000 Energiesparlampen enthalten ist. Aber da wir nicht wissen, wie viele Energiesparlampen pro Stunde in der Bundesrepublik zu Bruch gehen, wird dieses Argument die Feinde der Energiesparlampe wohl nicht überzeugen.

Die EMPA-Forscher haben in ihrer Studie die ökologische Gesamtbelastung im Lebenszyklus von Glühbirnen und Energiesparlampen (sowie Halogenlampen und Neonröhren) verglichen. Im europäischen Strommix entfallen auf die Herstellung bei Glühbirnen 0,3 Prozent der Gesamtbelastung, bei Energiesparlampen vier Prozent. Dieser Unterschied hat zur Folge, dass die Gesamtumweltbelastung der Energiesparlampe erst nach 50 Betriebsstunden niedriger wird als die der Glühbirne. Danach rauscht die Glühbirnen-Belastung steil nach oben, während die Belastung der Energiesparlampe nur moderat zunimmt:

Äußerst argwöhnische Zeitgenossen werden hier wahrscheinlich kontern, die EMPA-Studie sei doch auch nur gekauft. Ihnen sei gesagt, dass die Forschungseinrichtung in St. Gallen Energiesparlampen mitnichten einen Blankoscheck ausstellt. Denn auf die Herkunft des Stroms kommt es an: "Eine Glühbirne, die durch mit Wasserkraft erzeugten Strom leuchtet, belastet die Umwelt weniger als eine Energiesparlampe, die mit europäischem Strommix läuft."

Wenn also jemand schon die Glühbirne verteidigen möchte, dann bitte mit diesem Argument. Aber nur, wenn er oder sie auch Ökostrom bezieht.

Die Studie:
Welz, T. et al, "Environmental impacts of lighting technologies – Life cycle assessment and sensitivity analysis", Environmental Impact Assessment Review, 12. Oktober 2010, Abstract (nbo)