Europas Halbleiterbranche sucht Schulterschluss
Europas Halbleiterbranche sieht nur in einem engen Schulterschluss die Chance, gegenüber Herstellern in Asien und den USA konkurrenzfähig zu bleiben. Die EU müsse anerkennen, dass man bei Halbleitern nicht innerhalb Europas, sondern mit Asien und den USA konkurriere, meinte Sachsens Ministerpräsident.
Europas Halbleiterbranche sieht nur in einem engen Schulterschluss die Chance, gegenüber Herstellern in Asien und den USA konkurrenzfähig zu bleiben. Konkret geht es um eine Kooperation der beiden Branchencluster in Sachsen und in der Region von Grenoble – den letzten noch verbliebenen Halbleiterzentren in Europa. Bei der Eröffnung der Halbleitermesse Semicon Europa wurden am Dienstag in Dresden erste Schritte vorgestellt. Geplant sind unter anderem Forschungsprojekte, Wettbewerbsanalysen und ein gemeinsamer Masterstudiengang in Dresden und Grenoble. Zudem soll der politische Kontakt zu den Landesregierungen und zur EU koordiniert werden.
Sachsens Regierungschef Stanislaw Tillich (CDU) forderte ein Bekenntnis der EU zur Halbleiterbranche als einer strategischen Industrie. Es gehe nicht in erster Linie um Geld. Die EU sollte vielmehr anerkennen, dass man bei Halbleitern nicht innerhalb Europas, sondern mit Asien und den USA konkurriere. Bisher gelte die Wettbewerbspolitik für die Halbleiterindustrie genauso wie für die Textilindustrie. Im nächsten Forschungsrahmenprogramm sollte das Thema Halbleiter ein eigenes Kapitel bekommen. Man müsse die Branche strategisch ausrichten und ihre Forschungsaktivitäten bündeln, mahnte Tillich. In Sachsen zählt die Halbleiterindustrie derzeit 43.000 Beschäftigte in 1500 Firmen, in Grenoble sind es 39.000 in etwa 400 Unternehmen.
Nach den Worten des Vizepräsidenten von STMicroelectronics, Alain Astier, befindet sich die Branche in einem "Überlebensmodus". Deshalb müsse sie versuchen, sich in Europa auf die beiden wichtigsten Cluster zu konzentrieren. Davon hänge das Überleben der Branche ab. Der Präsident der Branchenvereinigung Semi Europe, Heinz A. Kundert, nannte als Beweis für die Kompetenzen in Europa auch das Engagement arabischer Investoren. Mit ihrer Hilfe wird der Dresdner Standort des Chipherstellers Globalfoundries für gut 1,2 Milliarden Euro ausgebaut. "Die haben sich etwas überlegt dabei, das garantiere ich Ihnen", sagte Kundert den Journalisten.
Die Semicon Europa ist 2010 erstmals mit der Messe Plastic Electronics Conference & Exhibition kombiniert. Bei ihr geht es um die organische Elektronik auf flexiblen Trägern wie Folien oder in Kleidung. Der Direktor des Fraunhofer Institutes für Photonische Mikrosysteme in Dresden, Prof. Karl Leo, sprach von einem enormen Potenzial. Derzeit stehe hinter der Branche ein Jahresumsatz von einer Milliarde US-Dollar, in 15 bis 20 Jahren würden es laut Prognosen mehr als 300 Milliarden Dollar sein. Eines Tages werde man Solarzellen von der Rolle im Baumarkt kaufen, lautete Leos Vision.
Auch die Halbleiterbranche selbst befindet sich derzeit noch im Aufwind: Der Markt für Halbleiter-Materialien soll in diesem Jahr umsatzmäßig um 17 Prozent gegenüber 2009 steigen. Für 2011 wird aber nur noch ein Plus von 6 Prozent prognostiziert. Noch deutlicher ist es bei den Ausgaben der Branche für Maschinen und Anlagen. Einem Zuwachs von 104 Prozent im Jahr 2010 steht eine nur gedämpfte Erwartung von 9 Prozent Wachstum im kommenden Jahr gegenüber.
Auf der Semicon Europa präsentieren sich in diesem Jahr rund 350 Unternehmen aus mehr als 20 Ländern. Im Vorjahr waren es noch 500 Aussteller. Eine Vielzahl von Konferenzen und Seminaren begleitet Europas wichtigste Halbleitermesse bis Donnerstag. (jk)