Letzte Hoffnung für Cosmos-1

Die Planetary Society hat nur noch geringe Hoffungen, das sonnenwindgetriebene Raumschiff Cosmos-1 nach einem missglückten Start doch noch wiederzufinden.

vorlesen Druckansicht 85 Kommentare lesen
Lesezeit: 3 Min.
Von
  • Mattias Hermannstorfer

Die Hoffnungen der Planetary Society, ihre Raumsonde Cosmos-1 doch noch wiederzufinden, sind nach eigenen Angaben auf ein Minimum geschrumpft. Die Sonde, die am Dienstag um 9:46 MESZ mit einer modifizierten Interkontinentalrakete von einem U-Boot der russischen Marine ins All gestartet war, sollte durch seine großen Sonnensegel erstmals nur von Lichtteilchen angetrieben und auf höhere Umlaufbahnen gebracht werden.

Bislang ist unklar, ob Cosmos-1 schon kurz nach dem Start zusammen mit der Trägerrakete verunglückt ist oder sich unerkannt auf einer Umlaufbahn befindet. Die russische Raumfahrtagentur RKA berichtet von einem vorzeitige Versagen der ersten Raktenstufe 83 Sekunden nach dem Start. Die zweite Stufe habe sich nicht abgetrennt und die Rakete sei mitsamt der Sonde nahe der Insel Nowaja Semlja im Nordpolarmeer niedergegangen.

Die Planetary Society klammert sich nun an die Berichte anderer russischer Stationen, die auch später noch Signale empfangen haben wollen. Danach könnte es der Sonnensegler zwar in den Orbit geschafft haben, aber in einer niedrigeren als der geplanten Umlaufbahn gelandet sein. Allerdings hat auch die Weltraumüberwachung des US Strategic Command bislang keine Daten der Sonde empfangen. Mehrere Observatorien haben angeboten, sich an der Suche nach Cosmos-1, dessen Sendefrequenz 401,5275 MHz beträgt, zu beteiligen.

Durch den Start in der nordöstlich von Norwegen gelegenen Barentsee war man in der ersten Phase zur Verfolgung auf mobile Stationen auf den US-Marschall-Inseln und der russischen Halbinsel Kamtschatka angewiesen. Deren Ausstattung bestand im Wesentlichen aus Antennen auf Leitern, wie der Vizepräsident der Planetary Society, Bill Nye, witzelte. Die Betreiber der Trackingstation auf den Marschall-Inseln mussten wegen der abgelegenen Lage die Empfangsdaten auf einen Memory-Stick packen und zum nächsten Internet-Anschluss hetzen, um sie zur Zentrale zu schicken.

Überhaupt war das Budget des Cosmos-1-Programms mit vier Millionen US-Dollar vergleichsweise niedrig. Finanziert wurde es aus Beiträgen der Cosmos Studios, von Mäzen Peter Lewis sowie aus Spenden von Mitgliedern der Planetary Society. Die knappen Mittel bewogen die Projektverantwortlichen, das Raumschiffchen von der russischen Firma NPO Lavochkin herstellen und mit einer umgebauten "Wolna"-Trägerrakete von einem U-Boot der russischen Marine starten zu lassen. Eine "Operationszentrale" steht im kalifornischen Pasadena (Project Operations Pasadena, POP) und besteht aus ein paar Workstations und Laptops, die zweite befindet sich in Moskau (Mission Operations Moscow, MOM) und wird von NPO Lavochkin betrieben. (mhe)