Sicherung der Privatsphäre wird als Dienstleistung für Telefonie wichtig

Telekommunikationsdienste, die Nutzern mehr Sicherheit und Privatsphäre ermöglichen, sind laut einem leitenden Forscher der Bell Laboratories ein wichtiger Kundenservice für die Zukunft der Carrier.

vorlesen Druckansicht 30 Kommentare lesen
Lesezeit: 4 Min.
Von
  • Christiane Schulzki-Haddouti

Telekommunikationsdienste, die Nutzern mehr Privatsphäre ermöglichen, sind laut einem leitenden Forscher der Bell Laboratories des Telecomausrüsters Lucent Technologies ein wichtiger Service für die Zukunft der Carrier. "Telekommunikationsfirmen werden künftig weniger über den Grundlagendienst verdienen denn über kleine zusätzliche Dienste", sagte Markus Hofmann, Forschungsleiter Dienstleistungsinfrastruktur der Bell Laboratories, auf dem achten Lucent-Bell-Labs-Seminar in Bonn. "Ein wichtiger Trend sind Dienste, die Sicherheit und Privatsphäre ermöglichen", prognostizierte der Telekommunikationsforscher. Zwar laute der Slogan für die Lifestyle-Services von Lucent Technologies "anywhere, anytime", wichtig sei jedoch der bislang unterbliebene Zusatz "when I want to" -- "wenn ich das auch möchte".

Als Beispiel führt Hofmann den in den USA für 5 Dollar im Monat angebotenen Nachfrage-Dienst an: Wenn eine Rufnummernkennung nicht übermittelt wird, erkundigt sich das System nach dem Namen des Anrufers und zeichnet diesen auf. Der Kunde kann dann entscheiden, ob er mit der Person sprechen möchte. Für den gleichen Preis sind aber zum Vergleich bereits schon Flatrates erhältlich. Da in den USA Telefonmarketing weit verbreitet ist, erhält der Service dennoch Zuspruch. In den analogen US-Netzen gibt es zudem für 8 Dollar den Call-Waiting-Dienst, der vergleichbar mit dem Anklopfen in ISDN-Netzen ist.

Diese Dienste lassen sich, meint Hofmann, weiter entwickeln: "Wir überlegen uns derzeit ein Reputationssystem für Telefonanrufe, das über Vertrauensketten funktionieren könnte: Wenn ich Person A vertraue und diese Person B vertraut, dann kann auch ich B vertrauen." In diesem Falle werde der Anrufer direkt durchgestellt, anstatt sich erst auf dem Anrufbeantworter vorstellen zu müssen. Wichtig sei für die Gestaltung solcher Systeme, dass der Nutzer sein Profil selbst im Griff hat. Das Netzwerk soll Muster erkunden und den Nutzer bei der Konfigurierung unterstützen -- nicht jedoch selbst Entscheidungen treffen können. Ein weiteres wichtiges Ziel sei, betont Hofmann, dass ein Nutzer über einen einzigen Namen in den unterschiedlichsten Diensten wie Festnetz, Mobilfunk, E-Mail oder Instant Messaging erreichbar ist. Dafür muss das System die verschiedenen Nutzernamen in kürzester Zeit richtig zuordnen können. Das Problem sei hierbei die Skalierbarkeit bei Milliarden von Nutzern: "10 Sekunden Reaktionszeit sind einfach zu lang." Diese müsse teilweise über ein hierarchisches System, teilweise über Peer-to-Peer gelöst werden. Das System muss mit verteilt gespeicherten Daten umgehen, aber über eine eigene zentrale Datenbank verfügen.

Lucent Technologies stellte kürzlich personalisierte Lifestyle-Services vor, die Sprach-, Video- und Datendienste in Mobilfunk- und Festnetzen kombinieren. Dazu gehört etwa das "Active PhoneBook", das ein netzübergreifendes, einheitliches Telefonbuch bietet und zahlreiche Anwendungen und Endgeräte unterstützt. Es erhebt die Kontaktdaten einschließlich Telefonnummern und E-Mail-Adressen und speichert die Präsenz- und Standortdaten für wichtige Kontakte des Teilnehmers. Der "iLocator", ein personalisierter Standortdienst, kann gemeinsam mit dem Telefonbuch ermitteln, welche Kontaktpersonen in der Nähe sind.

Mit dem DataGrid, einem Datenbank-Integrationstool, lassen sich solche Dienste besser verwalten. Es integriert verschiedene Datenbanken, die heute benötigt werden, um den Standort eines jedes Teilnehmers, das benutzte Endgerät und seine Dienstepräferenzen in jedem Netz nachzuverfolgen. Die Service-Broker-Technik ermöglicht die Interaktion zwischen mehreren Anwendungen und stellt diese gleichzeitig für jedes beliebige Zugangsgerät bereit. Als Beispiel führte Markus Hofmann einen Fernsehers an, der einen hereinkommenden Telefonanruf anzeigen und verschiedene Reaktionsweisen wie "Beantworten", "Anrufbeantworter", "Ablehnen" über die Fernbedienung ermöglicht. (Christiane Schulzki-Haddouti) / (jk)