Astronomie: Supermassereiches Schwarzes Loch lässt Galaxie langsam „verhungern“
Das Weltraumteleskop James Webb findet unerwartet viele „tote“ Galaxien im frühen Universum, in denen keine Sterne entstehen. Nun wurde ein Schuldiger gefunden.
Pablos Galaxie
(Bild: JADES Collaboration)
Ein internationales Forschungsteam hat eine tote Galaxie aus der Frühzeit des Universums gefunden, deren supermassereiches Schwarzes Loch offenbar dafür sorgt, dass dort keine Sterne mehr entstehen. Das könnte eine der großen Fragen beantworten, die das Weltraumteleskop James Webb seit seiner Inbetriebnahme aufgeworfen hat, schreibt die Universität Cambridge, wo die Forschung geleitet wurde. Denn mit dem Instrument würden scheinbar viel zu viele massive Galaxien entdeckt, die viel zu alt scheinen, weil die Sternentstehung in ihnen viel zu früh beendet wurde. Möglicherweise werden sie von supermassereichen Schwarzen Löchern in ihren Zentren langsam „ausgehungert“, meint die Forschungsgruppe jetzt.
Vor langsamem Tod relativ kurz aktiv
Die analysierte Galaxie trägt die Bezeichnung GS-10578 und heißt inoffiziell „Pablos Galaxie“ nach ihrem Entdecker. Sie kommt auf rund 200 Milliarden Sonnenmassen, die meisten ihrer Sterne sind demnach aber vor mindestens 11,5 Milliarden Jahren entstanden. Wir sehen sie demnach 400 Millionen Jahre später und zu dieser Zeit war sie bereits „tot“, neue Sterne sind also nicht mehr entstanden. Verantwortlich dafür ist aber kein katastrophales Ereignis, sondern ein supermassereiches Schwarzes Loch, das das Ausgangsmaterial kontinuierlich erhitzt und aus der Galaxie schiebt. Pro Jahr gingen der Galaxie dadurch 60 Sonnenmassen an interstellarem Gas verloren, das gesamte Ausgangsmaterial für neue Sterne wäre damit in 16 bis 220 Millionen Millionen Jahren entfernt worden.
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Gleichzeitig hat das Forschungsteam ermittelt, dass der Galaxie kein neues Gas hinzugefügt wird. Deshalb meinen sie, die werde regelrecht ausgehungert. Für seine Arbeit hat das Team das Weltraumteleskop James Webb und den Radioteleskopverbund ALMA (Atacama Large Millimeter Array) benutzt. Mit weiteren Messungen will die Forschungsgruppe den dahinter liegenden Mechanismus genauer ergründen und erforschen, ob wir hier tatsächlich ein Verhalten sehen, das auch andere Galaxien langsam sterben lässt. Der Fund zeige, dass es keine große Katastrophe brauche, um die Sternentstehung in einer Galaxie abzuwürgen. Ihre Arbeit wird in einem Artikel im Wissenschaftsmagazin Nature Astronomy vorgestellt.
(mho)