Iran weiter ohne Internet: Staatsfernsehen gehackt und Regimekritik verbreitet

Der Iran ist anderthalb Wochen ohne Internet, ein Ende ist nicht in Aussicht. Am Sonntag wurde wohl das Staatsfernsehen gehackt und Regimekritik verbreitet.

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Blick auf die Skyline von Teheran, im Hintergrund die Berge

(Bild: Collab Media/Shutterstock.com)

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Im weiterhin größtenteils von der Außenwelt abgeschnittenen Iran haben Unbekannte am Sonntag angeblich die Satellitenübertragung mehrerer staatlicher Fernsehsender übernommen und Aufnahmen der jüngsten Proteste sowie eine Ansprache des Sohns des gestürzten Schahs gesendet. Das berichtet zumindest Iran International, ein regimekritischer Nachrichtensender aus London. In sozialen Netzen kursieren Aufnahmen der Übertragung, deren Echtheit sich aber bisher nicht verifizieren lässt. Unabhängige Daten hatten zugleich am Sonntag gezeigt, dass die Islamische Republik die totale Internetsperre vorübergehend zurückgefahren hat. Inzwischen ist das Land aber wohl wieder abgetrennt.

Nach den möglicherweise massivsten Protesten gegen das Regime war das Internet im Iran vor anderthalb Wochen komplett gesperrt worden. Das Wenige, was seitdem aus dem Land gedrungen ist, deutet darauf hin, dass die Demonstrationen mit größtmöglicher Brutalität niedergeschlagen wurden. Vor dem mutmaßlichen Cyberangriff auf das Staatsfernsehen hat es am Wochenende vermehrt Hinweise darauf gegeben, dass die Internetblockade leicht zurückgefahren wurde. Daten von Cloudflare legen nahe, dass es seit Samstag immer wieder etwas mehr Internetverkehr aus der Islamischen Republik gab, dabei geht es aber nur um wenige Prozent des sonst üblichen Volumens. Die Hintergründe dieser Episoden sind aber unklar.

Vor wenigen Tagen hat zudem eine Organisation, die sich im Iran und im Nahen Osten für Internetfreiheit einsetzt, über Pläne aus dem Regime berichtet, das Internet gar nicht wieder freizugeben. Laut einem Artikel von Filterwatch gibt es vonseiten der Regierung bereits Bestätigungen, dass die Verbindung zum Internet mindestens bis März nicht wiederhergestellt werden soll. Aber auch danach solle man nicht darauf hoffen. Stattdessen sollen nur bestimmte gesellschaftliche Gruppen begrenzte Zugänge bekommen. Der Rest muss sich demnach mit internen Diensten begnügen und könnte beispielsweise keinen Zugang mehr zu unabhängigen Nachrichten erhalten. Von offizieller Seite gibt es dazu bislang aber keine Stellungnahmen.

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Das alles geschieht derzeit vor dem Hintergrund verschärfter Spannungen zwischen dem Iran und vor allem den USA. Erst am Wochenende hat sich US-Präsident Donald Trump für einen Regierungswechsel in Teheran ausgesprochen. Das geschah auch vor dem Hintergrund der Berichte über die blutige Niederschlagung der Proteste. Laut der Sunday Times könnten dabei mehr als 16.000 Menschen getötet und mehrere hunderttausend verletzt worden sein. Reza Pahlavi, der Sohn des 1979 gestürzten Schahs, dessen Rede kurzzeitig im Staatsfernsehen zu sehen war, hat derweil aus seinem Exil in den USA eine Rückkehr in den Iran angekündigt. Ein Datum hat der 65-Jährige dabei aber nicht genannt.

(mho)