Buchkritik: Programmieren lernen
Andreas Hofmanns Ratgeber für Programmierinteressierte vermittelt Grundlagen sprachunabhängig, wird mit diesem Ansatz aber nicht allen Paradigmen gerecht.
- Dorothee Wiegand
Andreas Hofmann will alle wichtigen Aspekte des Programmierhandwerks von Datenstrukturen ĂĽber Verzweigungen und Schleifen bis zur systematischen Fehlersuche im Quellcode vermitteln, ohne seine Leser dabei auf eine konkrete Programmiersprache festzulegen.
Ab und an wird er diesem Vorsatz untreu; im hinteren Teil des Buches finden sich einige in C# geschriebene Codebeispiele. Ansonsten verwendet der Autor an C orientierten Pseudocode.
Systematisch führt Hofmann in die theoretischen Grundlagen und in klassische praktische Aufgaben wie Ein-/Ausgabe oder Sortieren ein. Dabei begegnet er seinen Lesern auf Augenhöhe.
Gelegentlich entstehen aus dem Bemühen, keine Halbwahrheiten zu riskieren, wenig hilfreiche Aussagen wie diese: „Obwohl die switch-Anweisung in fast allen Programmiersprachen vorhanden ist, unterscheidet sich die Syntax hier stärker als bei den anderen Elementen in diesem Kapitel.“ Jedes Kapitel schließt mit einer Übungsaufgabe; ausführliche Lösungen zu allen Aufgaben sind im 21-seitigen Anhang A am Ende des Buches zusammengefasst.
Das Abschlusskapitel geht schlieĂźlich der Frage nach, welche Programmiersprache sich am besten fĂĽr welche Art von Anwendung eignet, und stellt Eigenheiten von C/C++, C#, Java, JavaScript, PHP und Python vor.
Wer das Buch bis dorthin aufmerksam durchgearbeitet hat, kann eine informierte Entscheidung darüber treffen, in welche Richtung er sich weiter vertiefen will. Allerdings hat Hofmann in erster Linie prozedurale und objektorientierte Sprachen im Blick. Auf den Unterschied zwischen imperativen und deklarativen Programmierparadigmen geht er nicht ein, auch das funktionale Paradigma bleibt außen vor. Haskell, Lisp oder auch Kotlin, die ausgeprägte eigene Ansätze verfolgen, lernt man doch besser mit sprachspezifischer Lektüre.
Auf dem Weg zum Programmierprofi genügt das Buch als alleinige Orientierungshilfe sicher nicht. Aber Hofmann legt ein solides Fundament und leitet dazu an, konsequent strukturiert zu arbeiten. In Zeiten, in denen mancher versucht ist, sich blindlings KI-erzeugtem Code anzuvertrauen, leistet ein solches Buch einen wertvollen Beitrag zum Einstieg in sauberes Handwerk nach dem Motto „Erst kapieren, dann kodieren“.
Andreas Hofmann
Programmieren lernen
Grundlagen für Studium und Beruf – praxisnah und sprachunabhängig
- mitp, Frechen 2025
- ISBN 978-3747510186
- 272 Seiten, 25 €
- (als Bundle mit E-Book beim Verlag: 30 €; PDF-/Epub-/Kindle-E-Book allein: 25 €)
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(psz)