Videoshow für Bühnen- und Studiomusiker: Steinberg VST Live 3.0 im Test

Steinberg VST Live 3 kombiniert Audio-, Video- und Lichtsteuerung für Live-Shows über OBS Studio – jetzt mit Videodirektor für bis zu sechs Videoquellen.

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Lesezeit: 4 Min.
Von
  • Dr. Justus Noll
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VST Live 3 hilft Musikern dabei, Live‑Auftritte zu planen, abzuspielen und zu automatisieren. Der Hersteller Steinberg hat für diese Digital Audio Workstation (DAW) im Miniformat die Audio- und Midi-Bearbeitung von Cubase übernommen. Herzstück ist Steinbergs Plug-in-Schnittstelle für virtuelle Studio-Technik (VST). VST Live spielt Songs ab, die sich in mehreren Ansichten, den „Views“, organisieren lassen: Synthesizer-Plugins wie der Sampler Halion gehören in die Layer-View, Effekte wie Filter oder Hallgeräte in die Stacks-View.

In der zentralen Tracks-View steuert man Licht, Video, Audio oder Text über Spuren. Mit Mixern wie denjenigen für Digital Multiplex (DMX) lassen sich Scheinwerfer bedienen. DMX-Spuren zeigen in der Tracks-Ansicht parallel zu den Audiospuren einen eigenen Regler mit Stummschaltung und Solo-Schalter, so dass man für die Lichtsteuerung nicht mehr umständlich zum DMX-Mixer schalten muss. Akkordbezeichnungen, Liedtexte, Metronomsignale und Noten kann das Programm auf angeschlossenen Bildschirmen anzeigen oder über Netzwerkverbindungen an die Geräte von Musikern und Technikern verteilen.

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Das Programm importiert gängige Audio- und Videoformate, darunter WAV, AIFF, FLAC, MP3 und AAC sowie MOV und MP4. Version 3 kann mehrzeilige Text- und Akkordspuren wiedergeben. Das Menü führt jetzt zu einem knappen, übersichtlichen Online-Handbuch. Eine PDF-Version gibt es nicht.

Eine Neuerung ist der Videodirektor. Er führt Wiedergabe- und Aufnahmeregie über bis zu sechs Videoquellen, zwischen denen man per Klick umschalten kann. Um den Mix an Streamingplattformen wie Twitch, YouTube oder Facebook Live zu lenken, braucht VST Live als Helfer die freie Software OBS Studio. Im Videodirektorfenster von VST Live stellt man ein, ob Streams zu OBS Studio, auf angeschlossene Monitore oder zu beiden fließen.

Streams lassen sich aufzeichnen. Mit der begleitenden Mobil‑App „VST Live Mods“ kann man Texte, Noten oder Akkordfolgen zum Mitlesen auf iPhones verteilen; für Android gibt es sie nicht. Die Steinberg-Software VST Connect leitet Klänge übers Internet in Studioqualität an beliebige Performer weiter.

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Den integrierten Monitormixer der Version 3 empfiehlt Steinberg besonders für Setups mit In-Ear-Monitoring, das sich in den vergangenen Jahren vor allem im Live‑ und Produktionsumfeld etabliert hat. Durch die enge Kopplung von Ohrkanal und Kopfhörer wird das Monitoring weitgehend unabhängig von Raum‑ und Umweltakustik. Im Studio bleibt das Abhören über konventionelle Lautsprechermonitore sinnvoll, etwa um das Zusammenspiel von Tiefbass und Dynamik zu beurteilen. Über die Send‑Kanäle der Audiospuren lassen sich in VST Live mehrere voneinander unabhängige Monitormischungen erstellen und einzelnen Musikern zuweisen. Diese Signale lassen sich bei Bedarf an OBS Studio weiterleiten. Auch auf der Bühne ermöglicht das Programm so individuelle In‑Ear‑Mischungen pro Musiker. Für weitergehende klangliche Eingriffe stehen im Stacks‑View Spuren zur Einbindung beliebiger VST-Effekte bereit.

Zum Lieferumfang von VST Live gehört Steinbergs Drumkit-Programm Groove Agent SE. Die SE-Version ist gegenüber dem Vollprodukt mit deutlich größerer Soundbibliothek abgespeckt. Rabatt gibts beim Umstieg von den Konkurrenzprodukten Camelot, Cantabile, Gig Performer und MainStage.