ICANN verhandelt über Post- und Reise-Domains
Eine offene Root-Registry, die jedem neuen TLD-Bewerber seine Zone gibt, sofern er die Kriterien erfüllt, sei aber kompliziert, warnt die Internet-Verwaltung ICANN schon vor Abschluss der zweiten Runde für die Einführung neuer Top Level Domains.
Die Internationale Postunion und das Tralliance-Konsortium der Reisebranche haben es fast geschafft: Laut einer Ankündigung der Internet-Verwalter von der ICANN wird mit beiden über die technische und wirtschaftliche Ausgestaltung der von ihnen beantragten Top Level Domains .post und .travel verhandelt.
Schon im kommenden Jahr, erklärte die UPU bei ihrem Jahrestreffen in Bukarest, will man .post-Adressen an alle Postämter und Philatelie-Vereine ausgeben. Die eigenen Domain ist Teil der Internet-Strategie, zu der unter anderem auch das Angebot elektronischer Poststempel gehört. Auch Tralliance dürfte auf einen raschen Start drängen, immerhin bewirbt man sich bereits zum zweiten Mal um eine Domain. In der ersten Runde für neue TLDs im Jahr 2000 war die Bewerbung als zu wenig repräsentative für die Branche abgelehnt worden. Inzwischen listet die Travel Partnership Corporation eine lange Liste von Verbänden der Reisebranche als Mitglieder.
Die Verfahren der anderen acht Bewerber dieser Runde für neue TLDs sei derzeit noch schwebend, ließ ICANN wissen. Je nachdem, wie schnell die jeweiligen Bewerber Fragen klären könnten, die ICANN nach einer ersten Evaluierungsrunde an sie gerichtet hatte, könne auch deren Zulassung weitergehen. Das sehen wohl nicht alle verbliebenen Bewerber so, zumindest Voice-over-IP-Pionier Jeff Pulver sah sich längst veranlasst, seine .tel-Bewerbung ad acta zu legen, da er nach der Evaluierung keine Chancen für sein Konzept sah. Geprüft hatten drei anonyme externe Evalutationsteams die technische Kompetenz, die Nachhaltigkeit des finanziellen Konzepts und die Frage, ob es sich, wie für die Runde vorgeschrieben, nur um eine Domain für eine bestimmte Branche oder Zielgruppe handelt.
Wann ICANN die nächsten allgemeinen Top Level Domains zulassen wird, steht vorerst in den Sternen. Das jetzt gewählte Verfahren, das anders als in Runde eins eine sukzessive Zulassung anstelle einer einmaligen Entscheidung und Zulassung nach öffentlichem "Beauty Contest" vorsieht, gefällt der ICANN-Spitze viel besser. Eine tatsächlich offene Root-Registry, die jedem neuen TLD-Bewerber seine Zone gibt, sofern er die Kriterien erfüllt, sei aber "kompliziert", warnte ICANN in einem Papier zur künftigen DNS-Erweiterung. Wie der Prozess künftig tatsächlich aussehen soll, ob Adresszonen versteigert oder einfach nach dem first-come-first-serve-Prinzip vergeben werden, daran wird noch gebastelt. (Monika Ermert) / (jk)