Chrome OS: Google hat intern ein Ablaufdatum

Google hat Chrome OS intern ein Ablaufdatum verpasst. Der Ersatz, das auf Android-basierende Aluminium OS soll zudem in diesem Jahr noch nicht abheben.

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Rückseite eines Chromebooks mit dem Logo, im Hintergrund das unscharfe Gesicht eines Kindes

(Bild: Firyal Ramzy/Shutterstock.com)

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Aluminium OS kommt, laut Gerichtsunterlagen aber wohl später als bisher angenommen. Google hatte das neue Betriebssystem im vergangenen September während des Snapdragon Summit von Qualcomm offiziell bestätigt. Zudem sagte Android-Chef Sameer Samat damals, dass erste PCs auf Basis des ChromeOS-Nachfolgers in diesem Jahr in den Handel kämen. Dies scheint indes nur eine Art Aufwärmphase zu sein. Die Gerichtsunterlagen deuten außerdem darauf hin, dass Google für ChromeOS schon ein Ablaufdatum hat.

Samat hat auf dem Qualcomm Summit wohl ein wenig zu sehr die Werbetrommel gerührt, indem er für 2026 erste PCs auf Basis von Aluminium OS in Aussicht gestellt hatte. Das deuten zumindest Gerichtsunterlagen an, die The Verge vorliegen. Denen zufolge sagte er im August 2025 noch, dass der „schnellste Weg“ zur Markteinführung eine erste Verfügbarkeit für kommerzielle Testanwender Ende 2026 vorsehe. Die vollständige Markteinführung, einschließlich für den Unternehmens- und Bildungssektor, erfolge erst im Jahr 2028.

Auszug aus den Gerichtsunterlagen.

(Bild: US v. Google)

Das Dokument besagt ferner: „Selbst wenn das neue Betriebssystem für Chromebooks verfügbar wird, wird es nicht mit der gesamten vorhandenen Chromebook-Hardware kompatibel sein, sodass Google das bestehende ChromeOS mindestens bis 2033 weiterführen muss, um seine ‚zehnjährige Support-Verpflichtung‘ gegenüber bestehenden Nutzern zu erfüllen.“ Diese Aussage ist nicht vollkommen neu und überraschend, denn das sagte schon John Maletis, Vizepräsident für Produktmanagement für ChromeOS, in einem AMA („Ask me anything“) von Chromeunboxed im Januar. Heißt: ChromeOS-Geräte, die mangels Leistung oder anderen Inkompatibilitäten nicht auf Aluminium OS gehievt werden können, erhalten bis zum Ende der Updategarantie weiterhin ChromeOS-Updates.

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Die Unterlagen deuten ferner darauf hin, dass Google ChromeOS nach Ablauf des aktuellen Supportzeitraums auslaufen lassen wird. Der Konzern verspricht 10 Jahre Support für Chromebooks, aber dieser Zeitraum beginnt nicht mit dem Kaufdatum eines Geräts, sondern mit dem Release einer seitens Google vorgegebenen Hardwareplattform, von der die aktuelle 2023 auf den Markt kam. Das bedeutet, dass Google die neuesten Geräte bis 2033 unterstützen muss. Der „Zeitplan für die Auslaufphase von ChromeOS ist 2034“, heißt es im Dokument.

Das neue Betriebssystem mit Android im Kern: OS-Strukturen von Aluminium OS und ChromeOS.

(Bild: US v. Google)

Dass Google ein Auslaufen von ChromeOS beabsichtigt, überrascht letztlich auch nicht. Diese Strategie deutete sich bereits in einer Stellenanzeige des Konzerns an, in der ein „Senior Product Manager, Android, Laptop and Tablets“ gesucht wurde.

Die mittlerweile entfernte Anzeige besagte, dass Google ChromeOS und Aluminium OS – zumindest zunächst – parallel laufen lassen will: Das Team soll „ein Portfolio von ChromeOS- und Aluminium-Geräten für den gewerblichen Einsatz in allen Formfaktoren (z. B. Laptops, Detachables, Tablets und Boxen) und Klassen (z. B. Chromebook, Chromebook Plus, AL Entry, AL Mass Premium und AL Premium) zusammenzustellen, das den Anforderungen der Nutzer und des Unternehmens entspricht“. Zudem soll das Team eine Produktroadmap entwickeln und pflegen, „die sich mit den zu liefernden Ergebnissen und der Strategie befasst, mit der Google von ChromeOS auf Aluminium umgestellt wird, wobei die Geschäftskontinuität in Zukunft gewährleistet bleibt“.

Dass Googles Anwälte all diese Informationen vor Gericht überhaupt enthüllt hatten, war rein strategischer Natur: Denn im Zuge eines Kartellrechtsverfahrens gegen Google USA et al v Google et al., das 2020 begann und 2025 endete, warf die US-Regierung Google eine Monopolstellung im Suchmaschinenengeschäft vor. Zum Urteil, dass Google ein Suchmaschinenmonopolist ist, kam das US-Gericht im Jahr 2024. Teil der Sanktionen hätte die Abspaltung des Chrome-Browsers inklusive ChromeOS gewesen sein können.

Um die Abspaltung von ChromeOS und damit auch das Aus von Aluminium OS zu verhindern, hatten Googles Anwälte argumentiert, dass die Unterstützung der ChromeOS-Software auf älteren Computern erschwert werden würde. Die Strategie hatte offenbar Erfolg: In der endgültigen Entscheidung von Richter Amit Mehta sind Geräte mit ChromeOS oder einem ChromeOS-Nachfolger ausgeschlossen. Das von Mehta gefällte Urteil wird jedoch einem Bericht von Bloomberg vom Justizministerium und den Bundesstaaten angefochten.

(afl)