Fehlplanung im Heimnetz: Warnung vorm Multimediaverteiler

Im Multimediaverteiler soll Netzwerkhardware ein dezentes Zuhause finden. Doch in der Praxis erweist er sich als zu eng. Eine Kultur- und Architekturkritik.

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(Bild: Jörg Wirtgen / heise medien)

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Zufrieden schaut das junge Paar den Makler an. Die Wohnung ist hell, ganz frisch saniert und mit vielen zugedrückten Augen für die beiden bezahlbar. Auch Homeoffice ist kein Problem, selbst Glasfaser gibt es schon. Die wurde sogar bis in die Wohnung verlegt – stolz präsentiert der Makler den Übergabepunkt, der sich hinter einer Blechklappe neben der Haustür verbirgt. Hier hat der Elektriker einen sogenannten Multimediakleinverteiler bündig in die Wand eingeputzt. Schick, da könne man ja ein Bild vorhängen, träumt die Mietinteressentin. In der Kiste, auch das wird bei der Besichtigung betont, kommen auch gleich die Netzwerkkabel an, die zu Netzwerkdosen in allen Zimmern der Wohnung führen. Sie enden sauber nebeneinander in einem Patchfeld. Schick, dann bekommt der Spiele-PC eine Kabelverbindung und muss nicht per WLAN ins Netz, träumt der Mietinteressent. Was wie eine zukunftssichere Lösung aussieht, muss sich nun im Alltag bewähren.

Ein paar Wochen später, die Tinte unter dem Mietvertrag ist getrocknet und die Möbel stehen weitgehend in Position. Der Internetanbieter hat ein kleines schwarzes Glasfasermodem zugeschickt. Der alte Router funktioniert noch und kann zusammen mit dem Modem weiter seinen Dienst verrichten. Beim Verkabeln kommen dem neuen Mieter die ersten Zweifel ob des Platzangebots in der Technikkiste. Für einen Router hat der Hersteller Plastiklaschen zur Hochkantmontage vorgesehen. Halb liegt er darin, halb hängt er am Netzwerkkabel. Fürs Modem gibt es keinen angestammten Platz, das wird mit Kabelbindern an die Grundplatte gepfuscht, zum Anschrauben fehlt neben dem Router der Platz. Zwei der drei Schuko-Steckdosen am Grund des Multimediaverteilers sind damit schon belegt – eher zweieinhalb, weil die Steckernetzteile natürlich ungünstig herausragen und die dritte Steckdose blockieren. So oder so ähnlich geht es in vielen Fällen zu. Egal, Klappe zu und Bild davor.

Weder geräumig noch günstig. 450 Euro Listenpreis ruft Hager, Marktführer für Multimediaverteiler, für das Modell mit Stahltür auf. Drei Schuko-Dosen sind eingebaut.

(Bild: hager.com)

Riesig ist die Wohnung nicht, das war preislich nicht drin. Aber etwas verwinkelt und länglich. Beim ersten Frühstück die erste Enttäuschung: In der Küche ist das WLAN-Signal so schwach, dass an ruckelfreies Webradiohören nicht zu denken ist. „Eine Büchse mit Stahltür“, sinniert der Neumieter, „ist für einen Router, der das WLAN in der Wohnung aufspannen soll, vielleicht doch nicht der ideale Ort.“ Hätte man drauf kommen können, und tatsächlich bietet der Hersteller des Multimediaverteilers auch optional eine Kunststofftür an. Optional bedeutet: Pech gehabt, der Vermieter hat die Standardoption mit Stahltür gekauft. Aber selbst wenn nicht: Kunststoff senkt die Dämpfung zwar ein wenig, hilft aber nicht in jeder Wohnung.

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