c’t-Story: Die Curryvurst-Komplikation

Was passiert wohl, wenn man den Erfolg einer Messe für Veggie-Wurst und ähnlich wichtige Angelegenheiten in die virtuellen Hände künstlicher Intelligenzen legt?

vorlesen Druckansicht

(Bild: Peter Schmitz / KI / heise medien)

Lesezeit: 15 Min.
Von
  • Uwe Post
Inhaltsverzeichnis

Glaspalast, Bausünde, Millionengrab: Das örtliche Veranstaltungszentrum hatte viele Namen. Für Leonid (Student, pleite) war es zugleich ein Strohhalm, und zwar der letzte: In dem je nach Weltanschauung scheußlich schönen oder schön scheußlichen Komplex fand nämlich aktuell die regionale Leistungsschau für fleischfreie Wurstalternativen statt.

Leonid ging es nicht etwa wie den meisten Wartenden in der Einlassschlange um ein Gratismittagessen. Vielmehr hatte er sich vor dem Eingang für Mitarbeiter eingereiht, denn er suchte nach einem leichten Job, der seinen mickrigen Kontostand aufbessern könnte.

c't-Stories: Pechschwarze Technikgeschichten
Titelmotiv-Museum der c’t-Stories

Was ist das: Es dreht sich um Technik, ist mal spannend, mal bestürzend, mal amüsant und hat nur sehr selten ein Happy End? Richtig: die c’t-Story. Seit gut 37 Jahren hat sie ihren festen Platz im Magazin – und seit einiger Zeit auch auf heise+. Mal kommt sie aus der Feder preisgekrönter Belletristik-Profis, mal sind die Verfasser hochkarätige Wissenschaftler – oder eigenwillige junge Science-Fiction-Debütanten. Viele unserer c’t-Story-Autoren haben in den vergangenen Jahren für ihre Werke renommierte Preise wie den Kurd-Laßwitz-Preis (KLP) oder den Deutschen Science-Fiction-Preis (DSFP) errungen.

„Hostess, aha“, brummte der schmächtige Uniformierte, der Leonids Einladungsschreiben sowie seinen Körperbau scannte. „Na ja, nicht mein Problem“, ergänzte er und winkte ihn durch. Vorbei an großen Aufstellern, die diverse Workshops und Fachvorträge ankündigten, betrat Leonid die Ausstellungshalle. Keine fünf Schritte weiter wurde er von einem bunt bekleideten Alien angesprochen, das tütenweise Chips verschenkte. „Hierrr bitte, eigentlich zu pikaaant für diese Galaxxxis“, schnarrte das Alien und zuckte dabei mit dem maskierten Gesicht in alle Richtungen. Entweder der Kerl verwendete einen Stimmverzerrer oder er war wirklich von einem anderen Planeten. Oder er hatte den Verstand verloren.

Ăśber den Autor
Uwe Post

(Bild: 

Uwe Post

)

Uwe Post hat ein Diplom in Physik und Astronomie, führt ein Games-App-Unternehmen und schreibt IT-Fachbücher sowie satirische Science-Fiction. Von den späten Neunzigerjahren bis zu den ersten Zuckungen des neuen Jahrtausends war er c’t-Redakteur. Sein Roman „Walpar Tonnraffir und der Zeigefinger Gottes“ errang den Deutschen Science-Fiction-Preis 2011 sowie den Kurd-Laßwitz-Preis (KLP) 2011. Aktuell ist seine Kurzgeschichte „Blumen für Lisa-9“, die im Magazin Exodus 49 erschien, auf der Shortlist des KLP 2026. Gemeinsam mit Sylvana Freyberg gibt er die deutsche Ausgabe des „Future Fiction Magazine“ heraus. Bei den c’t-Stories bildete die „Explosion einer Espressomaschine“ Uwe Posts Premiere in Ausgabe 1/1999. Der Autor, der am Rand des Ruhrgebiets wohnt, nennt als sein Lieblingsthema die POSTapokalypse und deren Verhinderung durch schwarzen Humor. Ende 2024 hat Post gemeinsam mit Uwe Hermann das launige kleine Anthologiebüchlein „KI – Komische Intelligenz“ veröffentlicht (Buchkritik: https://heise.de/-10440213)

„Ähm“, machte Leonid, als er eine der Packungen in Augenschein nahm, welche die Werbefigur ihm in die Hand gedrückt hatte. „Aus mindestens 90 Prozent recycelter Geschmackspappe?“, las er ungläubig.

Das Alien kicherte und zückte einen Filzstift. „Wir … brauchen …“ Der Kerl fing an, sich etwas auf den Handrücken zu kritzeln. „Wir brauchen bessere …“

„Entschuldigen Sie, ich … ich muss dringend zu einem Termin“, stotterte Leonid und steckte sich die Probierpackungen in die Jackentaschen, bevor er das Weite suchte. Eine jedoch behielt er in der Hand – er fand es sinnvoll, wenigstens eine zu öffnen, um deren Inhalt zu versuchen.

So stopfte er sich eine Portion in den Mund … – keine gute Idee, wie er sofort feststellen musste. Die leidlich knackige Pappe schmeckte so ungefähr nach nichts, blieb aber umso länger in den Zahnlücken kleben.

Videos by heise