Belgischer Netzbetreiber startet Fernsehen via DSL

Der nach eigenen Angaben größte belgische Netzbetreiber Belgacom hat den kommerziellen Start von BelgacomTV verkündet, seinem interaktiven, digitalen Fernsehangebot über das Internet-Protokoll (IPTV).

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Der nach eigenen Angaben größte belgische Netzbetreiber Belgacom hat den kommerziellen Start von BelgacomTV verkündet, seinem interaktiven, digitalen Fernsehangebot über das Internet-Protokoll (IPTV). Basis des Systems stellt das "Surpass Home Entertainment"-Konzept des Belgacom-Partners Siemens dar, eine komplette, schlüsselfertige Lösung für das neue TV-Angebot, das über einen ADSL-Telefonanschluss zu haben ist. Zur Lösung gehört vom Videostreamer für den Netzbetreiber, der das Angebot an der Quelle digitalisiert, bis zur Settop-Box für die Endkunden, die an die Telefonleitung mit DSL-Anschluss einerseits und an das heimische Fernsehgerät andererseits angeschlossen wird, die komplette Infrastruktur. Offenbar benötigen Kunden für das Angebot von Belgacom aber auch stets einen Telefonanschluss.

Im BelgacomTV-Angebot enthalten sind laut Siemens "alle großen TV-Sender" (bei Anmeldung bis zum 31. August 2005 kostenfrei), tatsächlich dürfte es sich eher um das für belgische Zuschauer übliche Free-TV-Angebot handeln (siehe beispielsweise PDF-File mit Senderliste für den "Empfangsbereich" Brüssel). Daneben soll es ein Bezahlangebot auf Pay-per-View-Basis und eine digitale Videothek (Video on Demand, 6 Euro pro Film für 24 Stunden) geben. Konkret werden bislang aber nur Fussball-Abos beworben. So sollen Fans für 15 bis 25 Euro pro Monat oder 8 Euro pro Übertragung die Spiele der belgischen Liga verfolgen können, deren Übertragungsrechte Belgacom angeblich exklusiv erworben hat. Später soll BelgacomTV auch den Internet-Zugang über das TV-Gerät bieten. Geplant ist auch, das digitale Aufzeichnen von Sendungen (PVC, Personal Video Recording) zu ermöglichen. Der Standalone-Decoder soll mit monatlich 6 Euro zu Buche schlagen, die einmaligen Aktivierungskosten für BelgacomTV in Höhe von 59 Euro entfallen bis zum 31. August 2005.

Mitte 2004 hatte sich Belgacom für Siemens als Partner für die Entwicklung des interaktiven digitalen TV-Angebotes entschieden, seit November 2004 wurde die neue Technik in 1000 Haushalten getestet. Laut Siemens hat auch der niederländische Netzbetreiber KPN die "Surpass Home Entertainment"-Lösung bestellt. Andere Angebote für TV über den DSL-Anschluss, die mit Microsofts IPTV arbeiten, sind bislang noch nicht über die Pilotphasen hinausgekommen: Swisscom startete schon 2003 einen Test mit dem IP-Fersehen über ADSL-Leitungen auf Grundlage des alternativen, stark komprimierenden IPTV-Protokolls von Microsoft. Der kommerzielle Start von ADSL-TV wurde aber erst kürzlich verschoben. (nij)