Domain-Registry nic.at warnt Mitarbeiter vor Doppeltätigkeit

Nach den Manipulationen, mit denen sich Mitarbeiter der Länderdomain-Registry Vorteile beim Start der Zifferndomains verschafft hatten, legt nic.at die Regeln klar. Einigen Kritikern reicht das nicht, sie fordern eine grundlegende Reform der Registry.

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Von
  • Monika Ermert

Mitarbeiter von nic.at müssen künftig strenge Unvereinbarkeitserklärungen unterschreiben, in denen sie sich verpflichten, auf eine Nebentätigkeit als Registrare zu verzichten. Die Registry für die österreichische Länderdomain .at sieht sich zu diesem Schritt veranlasst, nachdem beim Start der Zifferndomains gleich mehrere Mitarbeiter es nicht so genau nahmen mit dem bestehenden Trennungsgebot. Ein Mitarbeiter wurde unmittelbar nach dem Start der Zifferndomains fristlos entlassen. Er hatte für sein eigenes kleines Unternehmen und auch für Kunden Domains registriert und sich dabei zu allem Übel noch eine doppelte Bandbreite für die Registrierung verschafft. Registraren, also den Dienstleistern für die Anmeldung von Domains durch Endkunden, war die auffallend hohe Zahl attraktiver Domains aufgefallen, die der Betreffende ergattern konnte. Inzwischen wurde dem Ex-Mitarbeiter auch noch der Registrarvertrag gekündigt, weil er das System nach Einschätzung der nic.at durch die Nutzung doppelter Bandbreite manipuliert hat.

Auch einen zweiten Mitarbeiter aus der nic.at-Technik hat der Domainbeirat im Zuge der Ermittlungen durchleuchtet. Ihm habe man jetzt eine Verwarnung zukommen lassen, teilte nic.at ihren Registraren mit. Jeder müsse sich entscheiden, entweder bei nic.at oder bei einem Registrar zu arbeiten, heißt es in der Begründung des Vorsitzenden des nic.at-Trägers Internet Privatstiftung Austria (IPA), Michael Haberler. Allerdings stufte der nic.at-Domainbeirat den zweiten Fall zwar als "Vermengung privater und beruflicher Angelegenheiten" ein. Einen Missbrauch sieht man aber nicht, denn die Tätigkeit des Mitarbeiters sei im Rahmen "freundschaftlicher Hilfestellung" für einen Bekannten erfolgt.

Aus Sicht verschiedener nic.at-Registrare genügt das allerdings nicht. Sie verweisen darauf, dass der entsprechende Mitarbeiter bis vor zwei Wochen noch als Tech-C, Admin-C und Zone-C für die Domain des "befreundeten" Registrars eingetragen war. Zudem nennt der Betreffende im eigenen Lebenslauf das Unternehmen als eine Station des beruflichen Werdegangs. Martin Szongott vom Registrarunternehmen ISSP Internet-Solutions kommentierte gegenüber heise online: "Natürlich ist es verständlich, dass die nic.at nicht gerne auf bewährte, technisch versierte Mitarbeiter verzichtet. Und natürlich ist es auch verständlich, dass für die die Versuchung groß ist, das technische Know-how auch für eine Registrartätigkeit zu nutzen. Aber es geht einfach nicht."

Sabine Dolderer, Chefin der für die deutsche Länderdomain .de zuständigen Registry, betonte auf Anfrage von heise online: "DeNIC-Mitarbeiter müssen grundsätzlich jede Nebentätigkeit genehmigen lassen. Eine Nebentätigkeit, welche einen Konflikt mit der Tätigkeit beim DeNIC begründen würde, würden wir nicht genehmigen." Den Streit bei der nic.at wollte die DeNIC-Chefin nicht kommentieren.

Aus Sicht von Herbert Vitzthum, dem ehemaligen Geschäftsführer der nic.at, müsste der Fall noch gründlicher und vor allem auch mit Blick auf zurückliegende "Hilfestellungen" untersucht werden. Vitzthum rechnet damit, dass dabei weitere Verfehlungen entdeckt werden könnten. Vitzthum gehört seit seinem Ausscheiden bei der Registry zu den entschiedensten Kritikern von nic.at und IPA. Nicht zuletzt die stillschweigende Übernahme der ursprünglich von Österreichs Providern getragenen Registry durch die IPA hat Vitzthum mehrfach kritisisert. Jetzt spricht er von einem regelrechten "Sumpf rund um die verschiedenen Unternehmen und Stiftungen", in dem keiner einen echten Einblick in die geschäftlichen Abläufe bekomme. Nach Ansicht Vitzthums sei daher eine Reform der österreichischen Registry notwendig. Die Registrarunternehmen seien aber trotz vielerlei Kritik aus ihren Reihen kaum bereit, dafür an einem Strang zu ziehen. (Monika Ermert) / (jk)