Frankfurter Städelschule startet Kunst- und Architekturprojekt im Netz

"Think Tank für das 21. Jahrhundert": In dem Projekt "Städelschule online group" werden sich zwölf Künstler und Architekten ein Jahr lang über das Internet "mit der Bedeutung des Digitalen für die Kunst und Architektur von morgen auseinandersetzen".

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Von
  • Hermann Wygoda

Die für ihren Ausstellungsraum "Portikus"  weltberühmte Frankfurter Städelschule (Staatliche Hochschule für Bildende Künste - Städelschule) geht wieder online. In dem Projekt "Städelschule online group" werden sich zwölf Künstler und Architekten, die aus einer internationalen Ausschreibung hervorgingen, ein Jahr lang über das Internet "kreativ mit der Bedeutung des Digitalen für die Kunst und Architektur von morgen auseinandersetzen", wie der Leiter der Städelschule, Professor Daniel Birnbaum, berichtete.

Die Teilnehmer, deren Namen noch nicht veröffentlicht wurden, stammen aus den USA, Argentinien, der Schweiz, Israel, Norwegen, Schweden, Griechenland und Deutschland. Sie erhalten für die Dauer des Projektes einen breitbandigen Internetzugang von der T-Com gesponsert und werden sowohl in öffentlichen Foren als auch in geschlossenen "Klassenräumen" auf dem Internetportal www.staedelschule-onlinegroup.org ihre Vorlesungen hören und die Diskussionen über ihre Projekte führen.

Professor Birnbaum sieht in dem Projekt, bei dem die Studierenden weder ein Diplom noch einen anders gearteten wissenschaftlichen Abschluss erhalten, die Möglichkeit "in Zusammenarbeit mit Schlüsselfiguren der Architektur, der Kunst und der Medientheorie eine Art Think Tank für das 21. Jahrhundert" zu entwickeln. Zu dem Unterricht in dem virtuellen Hörsaal haben sich unter anderem Professor Tobias Rehberger, Professor Ben van Berkel und Sanford Kwinter bereit erklärt. Alle Vorlesungen werden online gehalten und aufgezeichnet und können als Videos von allen Teilnehmern abgerufen werden. Auch die Diskussionen und Besprechungen sollen über die Grenzen der Kontinente hinweg über das Netz geführt werden. Dabei werden Voice-over-IP-Telefonie, Bloggs und E-Mail eingesetzt.

Wie weit jedoch die Netz-Community an dem Studium teilnimmt oder den Diskussionen folgen kann, ist noch nicht endgültig geklärt. Wie im realen Leben werden auch hier Copyright und Datenschutz die Grenzen zwischen Öffentlichem und Internem bestimmen. "Wir müssen uns mit den Professoren und den Teilnehmern noch abstimmen", räumte Birgit Klesper, die Leiterin der Corporate Communications der T-Com, ein. Für ihr Unternehmen lohne sich das Sponsoring dieses Projektes für und mit der Kunst, das ohne jede inhaltliche Definition erfolge, weil man sich davon auch Hinweise für zukünftige eigene Web-Inhalte verspreche. Die für das Projekt erstellte Website scheint bereits einen neuen Desing-Trend einleiten zu wollen: Sie ist ganz in weiß mit hauptsächlich schwarzem Text gestaltet worden.

Innerhalb des Studienjahres werden die Studenten drei "Journale" erarbeiten, die im Internet abrufbar sein werden und die Ergebnisse ihrer Arbeit dokumentieren. Damit aber neben dem digitalen Austausch der Teilnehmer auch der persönliche nicht zu kurz kommt, sind Foren und andere Veranstaltungen in der Frankfurter Städelschule und bei der T-Com in Darmstadt geplant, an denen renommierte Künstler, Architekten sowie Spezialisten aus den Fachgebieten des Projektes teilnehmen werden. Zum Abschluss, im Oktober 2007, werden die Ergebnisse in einer realen Ausstellung im "Portikus" in Frankfurt am Main der Öffentlichkeit präsentiert.

Für die Frankfurter Städelschule ist die Arbeit am digitalen Raum allerdings so neu nicht. 1989 hatte Caspar Koenigs an der Städelschule das Institut für Neue Medien (INM) als eines der ersten Institute in der Bundesrepublik für den "digitalen Raum" ins Leben gerufen. Es konnte sich schnell den Ruf eines der aktivsten und innovativsten Institute erarbeiten. Doch bereits 1994 musste sich die Städelschule von den neuen Medien wegen fehlender Finanzen trennen. Seitdem besteht das INM in Frankfurt am Main als von verschiedenen Sponsoren, darunter der Stadt Frankfurt geförderter eingetragener Verein. (Hermann Wygoda) / (jk)