Microsoft zieht sich aus Entwicklung von IronPython und IronRuby zurĂĽck
Lange Zeit ein wichtiges Thema der .NET-Entwicklung sind die Implementierungen der Skriptsprachen für die .NET-Plattform offenbar Microsofts Sparmaßnahmen zum Opfer gefallen. Die Entwicklung der beiden Projekte geht nun in die Hände der Community über.
- Alexander Neumann
Microsoft zieht sich aus der Entwicklung für IronPython und IronRuby zurück beziehungsweise überträgt die Verantwortung an die Open-Source-Community. Die Entscheidung dürfte nicht für viel Überraschung sorgen: IronPython-Chefentwickler Jimmy Schementi hatte bereits Anfang August, kurz nachdem er Microsoft verlassen hatte, seinen Unmut geäußert, dass sein Team innerhalb eines Jahres halbiert worden war. Dies sei der Grund gewesen, weswegen es so lange gebraucht habe, die Visual-Studio-Unterstützung für IronPython fertigzustellen. Deshalb hatte es offenbar auch für lange Zeit keine IDE-Unterstützung in Visual Studio für IronRuby gegeben. Einen Prototyp für diese konnte Jason Zander, der der Entwicklung für die Implementierung der beiden Skriptsprachen vorstand, nun in einem Blog-Eintrag ankündigen, der zudem die Änderungen bei den beiden Projekten erläutert.
Die Federführung für die zukünftige Entwicklung von IronPython übernehmen fortan Mono-Chefprogrammierer Miguel de Icaza, Michael Foord, Jeff Hardy und Schementi. Letzterer und de Icaza koordinieren die weitere IronRuby-Entwicklung. Alle waren zuvor schon in die Projekte involviert. Für die Community ändert sich, dass sie nun ohne den Einfluss Microsofts Änderungen an Implementierungen vornehmen kann. Microsoft-Angestellte werden höchsten inoffiziell an den Projekten mitarbeiten.
Die Resonanz der Koordinatoren fällt gemischt aus. Schementi sieht Microsofts Schritt eher positiv, Hardy hingegen zeigt sich enttäuscht, ist jedoch zuversichtlich, noch dieses Jahr IronPython 2.7 veröffentlichen zu können. Zukünftige Dinge, die er sieht, sind darüber hinaus die Annäherung an Python 3.2, Unterstützung für LINQ (Language Integrated Query) und die Umsetzung von statischer Kompilierung.
Mit dem Ende der Förderung der Projekte einher geht auch der Weggang von Jim Hugunin, der Microsoft in Richtung Google verlassen hat. Er war ebenfalls in die Entwicklung von IronPython involviert und zeichnet zudem für die Python-Implementierung für Java (Jython) und die AspectJ-Erweiterung für Java mit verantwortlich. Bei Google soll er sich der serverseitigen Java-Programmierung annehmen.
Die vor sechs Jahren gestarteten IronRuby und IronPython waren fĂĽr Microsoft lange Zeit SchlĂĽsselprojekte fĂĽr die in.NETÂ 4 zu findende Laufzeitumgebung fĂĽr dynamisch typisierte Skriptsprachen (Dynamic Language Runtime; DLR). Die Entwickler-Tools fĂĽr IronPython und IronRuby liegen unter der Apache-Lizenz als Open Source zur VerfĂĽgung. (ane)