OpenAI kontert Anthropic mit großem Codex-Update
OpenAI rüstet Codex auf: Der Assistent steuert nun andere Apps, merkt sich Vorlieben und übernimmt laufende Arbeit im Hintergrund.
(Bild: Henry Franklin / Shutterstock.com)
OpenAI hat seine Codex-Anwendung für Desktops mit einem großen Update erweitert. Die wichtigste Neuerung ist die Computernutzung im Hintergrund: Codex soll Anwendungen auf dem eigenen Rechner direkt bedienen können, indem es Bildschirminhalte erkennt, klickt und Texte eingibt. Laut OpenAI können mehrere Agenten parallel im Hintergrund arbeiten, ohne andere Apps zu stören. Die Funktion ist zunächst auf macOS beschränkt und soll bald auch in der EU verfügbar werden.
Zusätzlich arbeitet die Codex-Anwendung künftig direkt mit dem Web: Eine integrierte Browseransicht erlaubt es, Seiten zu kommentieren und dem Agenten so gezielt Anweisungen zu geben. Die Anwendung kann nun zudem Bilder generieren und direkt im Arbeitsprozess verfeinern, etwa für Entwürfe von Benutzeroberflächen, Mockups oder Spielgrafiken. Ergänzend baut OpenAI die Integration in bestehende Werkzeuge aus: Mehr als 90 neue Plug-ins verbinden Codex mit Diensten wie Jira, GitLab Issues oder der Microsoft Suite. So kann der Assistent mehr Kontext aus verschiedenen Anwendungen einbeziehen und darüber auch Aktionen ausführen.
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OpenAI bringt zudem eine Vorschau auf eine Erinnerungsfunktion: Die Anwendung kann sich künftig Vorlieben, Korrekturen und bereits gesammelte Informationen merken. Das soll helfen, künftige Aufgaben schneller und mit weniger zusätzlicher Anleitung zu erledigen. Darauf aufbauend soll die App proaktiv Vorschläge machen, etwa für nächste Arbeitsschritte, und relevante Aufgaben aus verschiedenen Diensten bündeln und priorisieren. Die meisten dieser Funktionen werden ab sofort verfügbar gemacht, die Erinnerungsfunktion soll in der EU in Kürze folgen.
Mit Codex Richtung „Super-App“
Das Codex-Update ist Teil einer größeren Strategie, die die Entwicklung einer „Super-App“ vorsieht, die die Coding-Plattform Codex, den Chatbot ChatGPT und den Atlas-Browser in einer einzigen Desktop-Anwendung kombinieren soll.
Ähnliche agentische Arbeitsfunktionen wie OpenAI bündelt Anthropic bereits in seiner Claude-App mit Cowork und Claude Code. Mit dem jüngsten Codex-Update schließt OpenAI nun in mehreren Bereichen zum großen Konkurrenten auf, setzt aber auch eigene Akzente. Anthropic hatte mit „Computer Use“ bereits im Oktober 2024 den Grundstein gelegt und die Funktion im März 2026 auch in Claude Cowork und Claude Code integriert. OpenAI zieht mit vergleichbaren Funktionen in der Codex-App nach, hebt dabei aber vor allem die parallele Hintergrundarbeit mehrerer Agenten und die Fähigkeit hervor, Aufgaben über längere Zeiträume eigenständig fortzuführen.
Die Ankündigung erfolgte am selben Tag wie die Veröffentlichung von Opus 4.7, Anthropics neuestem Modell.
(tobe)