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Anmerkungen zum neuen Suchturbo Google Instant - und was er mit Hände- und Gemüsereiben zu tun hat.

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Von
  • Peter Glaser

Anmerkungen zum neuen Suchturbo Google Instant – und was er mit Hände- und Gemüsereiben zu tun hat.

Für die Firma Google, das größte Werbeunternehmen der Welt, scheint es sich schon zu lohnen: Matt McGee drüben bei "search engine land" berichtet von einer Studie, der zufolge die Klickraten und Seitenabrufzahlen von Googles Werbekunden nach der Einführung der Echtzeitsuche Google Instant am 8. September zwischen 5 und 9 Prozent zugenommen haben – und dass Werbetreibende seither 2 Prozent mehr für Google-Anzeigen ausgegeben haben. Über den Daumen gerechnet sind das 5 Millionen Dollar pro Woche zusätzlich für Googles Portokassa.

Überschüssige Zeit müsste man einfrieren und, wenn sie gerade knapp ist, wie Tiefkühlspinat wieder auftauen können. Da das noch nicht geht, haben sich die Such-Ingenieure in Mountain View erst einmal Google Instant einfallen lassen. Wer über einen Google-Account eingeloggt ist, kann die beschleunigte Suche auch in Deutschland bestaunen. Mit jedem in den Suchschlitz eingetippten Buchstaben erscheint dann eine neue Ergebnisseite.

Bei Google weiß man, welche große Rolle kleine Zeiträume spielen. Eine Studie im Sommer letzten Jahres ergab, dass Verzögerungen von 100 bis 400 Millisekunden bei der Anzeige von Suchergebnissen sich zu insgesamt 0,6% weniger Suchanfragen aufsummierten. Das scheint auf den ersten Blick wenig, wenn man die Zahl aber mit den Milliarden von Suchanfragen multipliziert, die Google abarbeitet – und vor allem den Anzeigen, die gleichzeitig eingeblendet werden –, kommt man schnell auf viel Geld.

Obwohl sie nun ständig sanft in Richtung der Google-Vorschläge gelenkt werden, sagen manche Nutzer, die Google Instant ausprobieren, dass sie eigentlich gar nichts Neues bemerkt haben. Wenn sie einen Begriff wie etwa "porn" eingeben, werden sie allerdings erstaunt vor einer leeren Seite sitzen; erst wenn man dann doch wieder althergebracht die Enter-Taste drückt, wird ein konventioneller Suchvorgang ausgelöst.

Eine zumindest kurzzeitige Verbesserung der Qualität von Suchergebnissen könnte sich aus den Schwierigkeiten ergeben, die das neue Feature den Suchmaschinen-Optimierern (SEOs) bereitet. Derartiges hatte sich bereits vor ein paar Monaten angekündigt, als Google erstmals die Echtzeitsuche im Twitter-Livestream ermöglichte. Die Attraktivität der Suche zu verbessern, ist oberstes Ziel des Unternehmens, während SEOs ständig daran arbeiten, das Ergebnis-Reinheitsgebot zu umgehen. Statt einen Kundenlink wie bisher längerfristig in die obersten Ränge einer Ergebnisseite drücken zu können, tauchten nun, manchmal nur sekundenlang, die Trendbegriffe aus dem Livestream auf.

Da Google Instant einen mit ständig neuen Vorschlägen zur aktuellen Suche zuschmeißt, gibt es noch weniger Anlass als bisher, auch mal auf die zweite Seite zu blättern. Die Startseite von Google wird dadurch wertvoller denn je.

Torsten Kleinz vom "Notizblog" vermutet, dass die Suchmaschinenoptimierer, etwa wenn eine neue Lady Gaga-Single rauskommt, Millionen Seiten zu Suchbegriffen wie "La" oder "Lad" ins Netz stellen werden – "vielleicht geht es soweit, dass der nächste Opel Obamo getauft wird und Palm nennt sein nächstes Smartphone 'Ip'" (nach den Anfangsbuchstaben des iPhone).

"Seit über 10 Jahren optimieren wir Leistung und Geschwindigkeit", heißt es im offiziellen Google-Blog, "und wir haben gesehen, dass jede Sekunde zählt". Zeit ist Geld, jedenfalls für Google. Als Nutzer erinnert mich Google Instant an die Verheißungen der Etagenkochtöpfe und Gemüsereiben aus den Homeshopping-Kanälen: Zeitersparnis! Ja, man kann zum Beispiel beim Kochen auch Zeit sparen, indem man in ein Würstchen vorn und hinten ein blankes Kabelende steckt und Strom fließen lässt – zack, durch, in unter einer Sekunde. (Don't try this at home!) (bsc)