Die Mongoliade als Zukunftsmodell
Mit der E-Publishing-Plattform Subutai ist nun auch der US-Autor Neal Stephenson ins Geschäft mit interaktiven Büchern eingestiegen.
- Niels Boeing
Der US-Science-fiction-Autor Neal Stephenson ist bekannt für seine wegweisenden Ideen. Eine davon ist ein über Jahre fortgeschriebenes interaktives Buch aus seinem 1995 erschienenen Roman "Diamond Age". Mit seiner E-Publishing-Plattform Subutai macht sich Stephenson nun daran, seine eigene Vision in die Tat umzusetzen: Seit Anfang September veröffentlicht er mit einem Autorenteam das Schwertkampf-Epos "The Mongoliad" im Web, das für 9,99 Dollar im Jahr abonniert werden kann. In Kürze sollen Apps für iPhone, iPad und Android-Geräte folgen.
„Wenn das Modell funktioniert – und ich bin sehr zuversichtlich –, dann kann es ein interessantes Modell für die Zukunft des Verlagswesens sein“, sagt Stephenson in der aktuellen Ausgabe 11/2010 von Technology Review (portokostenfrei online zu bestellen). Bereits nach zwei Wochen habe die Mongoliade 4500 registrierte Leser gehabt. Die können nicht nur die wöchentlich fortgesetzte Handlung kommentieren, sondern auch eigene Bilder und Grafiken hochladen, die Stephensons Team etwa in begleitende Videos, Landkarten oder Spiele einbaut.
Neben diesem Zusammenspiel zwischen Autoren respektive Lesern und der Verbindung unterschiedlicher Medienformate setzt das Subutai-Geschäftsmodell auf die Lizenzierung des Software-Tools "Pulp" (für "Personal Ubiquitous Literature Platform") an andere Anbieter. Für alle, die mit Pulp ihre eigenen Geschichten veröffentlichen wollen, übernimmt Subutai dann das Content Management und die Abonnementverwaltung.
Das interaktive Produzieren findet Stephenson, der seine eigenen Manuskripte noch auf Papier schreibt, allerdings noch gewöhnungsbedürftig: „Das ist eine völlig neue Art zu schreiben, die mir früher ein Gräuel gewesen wäre“, räumt er ein. „Mit so viel ständiger Interaktivität hätte ich keines meiner Bücher fertig bekommen.“ Vorerst betrachtet er Subutai denn auch als Experiment: "Wir gehen das langsam an, ohne Fremdkapital und großes Tamtam." (nbo)