IT & Business und DMS Expo sind in Stuttgart noch nicht fest etabliert
Die Richtung stimmt. Aber der Weg zu einem echten IT-Event im Herbst ist noch weit. Die IT & Business im Jahr Zwei und die DMS Expo (nach 14 Jahren Köln) im Jahr Eins in Stuttgart, sind von den Fachbesuchern zwar angenommen worden, aber der Durchbruch ist noch längst erreicht.
Wolfgang Kühn, freier Journalist und langjähriger Kenner der IT-Branche kommentiert den Messe-Herbst
Die positive Nachricht zuerst: Ja, es stimmt, was Messe-Chef Ulrich Kromer freudig dem geneigten Publikum mitteilte: "Die IT & Business konnte nach der erfolgreichen Premiere im letzten Jahr deutlich zulegen." Der Geschäftsführer der Messe Stuttgart hätte sogar noch eins drauflegen können: Dass die Besucherzahl um 55 Prozent gegenüber dem Vorjahr zugelegt hat. Nach mehr als 6.500 Besuchern im vergangenen Jahr, kamen in diesem Jahr laut den Berechnungen der Messegesellschaft gut 10.000 Fachbesucher zur IT & Business sowie der aus Köln übernommenen DMS Expo. Gleichwohl wurden die Hoffnungen nicht ganz erfüllt: "Unsere beiden IT-Messen, das neue IT-Event im Herbst, das von den Marktteilnehmern als Gegenpol im Süden gefordert wurde, wird die Planzahl von 12.000 bis 14.000 Besucher erreichen", hoffte Kromer noch zur Eröffnung der diesjährigen Veranstaltung am Anfang der letzten Oktoberwoche.
DMS Expo mit deutlich weniger Besuchern
(Bild: Messe Stuttgart)
Und genau da relativiert sich die positive Nachricht. Allein die DMS hatte an ihrem früheren Veranstaltungsort in Köln zuletzt rund 16.000 Besucher gezählt. Folglich gab es für diese Veranstaltung unterm Strich keinen Zuwachs, sondern einen ordentlichen Rückgang. Denn nicht jeder Besucher der Doppelmesse hat sich in der DMS-Halle oder den beiden IT & Business Hallen umgesehen. So betrachtet kann sich die Messegesellschaft im Schwabenländle gleichermaßen freuen und grämen. Freuen über die zwar insgesamt niedrige aber wachsende Gesamtbesucherzahl, grämen aber bei der Frage, warum die seit 15 Jahren immerhin gut eingeführte DMS nicht annähernd so angenommen worden ist wie in der Metropole am Rhein?
Aber auch die IT & Business allein dürfte in diesem Jahr kaum mehr Menschen angelockt haben, als im Premierenjahr 2009. Schließlich stellte der Messe-Chef fest, dass etwa "40 Prozent der Gäste auf beiden Veranstaltungen" waren. Somit bleiben nur noch rund 6.000 Besucher für die eine oder für die andere Veranstaltung übrig.
Am neuen Standort allein kann es nicht liegen. Stuttgart und damit Baden-Württemberg bieten mit der Ballung mittelständischer Industrie einen nicht minder guten Rahmen für eine Dokumenten- und Content-Management Messe wie Nordrhein-Westfalen. Vielleicht lag es auch an der Ausstellerzahl. In Köln waren es zuletzt mehr als 300, in Stuttgart nur etwa 200. Da klaffen Lücken.
Auch die IT-Fachmesse selbst mit ihren Schwerpunktthemen Software, Infrastruktur und IT-Services konnte ausgerechnet im Aufschwungjahr 2010 nicht wesentlich mehr Aussteller nach Stuttgart locken als zur Premiere: 322 gegenüber 312 im Vorjahr.
Klar, an den drei Tagen IT & Business und DMS waren die drei belegten Messehallen keinesfalls übervölkert. Trotzdem – und das überrascht doch ein wenig – äußerten sich viele Aussteller der beiden Veranstaltungen nicht unzufrieden. Das wiederum lässt auf bessere Tage hoffen.
Stuttgart hat das Zeug für einen IT-Event im Herbst
Denn eigentlich hat Stuttgart im vergangenen Jahr geschickt eine Lücke gefüllt, die von der Messe München in leichtsinniger Weise aufgerissen worden ist, als sie die Systems 2008 unrühmlich zu Grabe getragen haben. Und diese Messe hatte mal was. Sie war exakt der Gegenpol im Süden, den jetzt die Stuttgarter für sich reklamieren. Im besten Systems-Jahr 2000 stellten rund 3.000 Unternehmen aus und etwa 150.000 Menschen besuchten den Herbst-Event in München. Nach dem peinlichen Systemsende kam im vergangenen Jahr ein noch peinlicherer Nachfolger, die Discuss & Discover, deren Ende mit dem ersten Messetag schon absehbar war.
Zahlen wie zu den besten Systems-Tagen sind vernünftiger Weise in Stuttgart überhaupt kein Thema. Selbst nach dem dritten Viertele Trollinger bleiben die Messemacher auf dem Boden der Realität. So hat Kromer realistisch das mittelfristige Ziel schon mal mit 750 bis 1.000 Ausstellern und bis zu 25.000 Besuchern ausgemacht. Immerhin kann er sich dabei auf die ausstellenden Unternehmen und beteiligten Verbände wie beispielsweise VDMA (Fachverband Software), Bitkom oder VOI (Verband Organisations- und Informationssysteme e.V.) stützen.
Diese Verbände sind es auch, die der Messegesellschaft derzeit den Rücken stärken – unabhängig von Aussteller- und Besucherzahlen. Beispielsweise der Bitkom, vertreten durch Geschäftsführer Bernhard Rohleder, der am Schlusstag festhielt: "Die IT & Business hat sich bereits im zweiten Jahr fest etabliert. Als Herbstmesse im Süden Deutschlands ist die IT & Business konkurrenzlos". Und in der Tat hat Stuttgart die Chance, einen wichtigen Herbst-Event für die IT-Branche aufzubauen. Der äußere Rahmen dafür ist so günstig wie kaum an einem anderen Messeplatz in Deutschland. Das Messegelände ist fast nagelneu, der Standort liegt direkt neben dem Flughafen und verfügt über Autobahnanschluss und S-Bahnhof zur City. Auch der Anspruch, vor allem Fachbesucher aus der DACH-Region anzusprechen, ist durchaus realistisch. Und bei der momentanen Konsolidierung der Messeveranstalter könnte sich für die IT & Business sogar noch eine weitere Parallelveranstaltung neben der DMS Expo anbieten. Die Fachbesucher wären einer solchen Entwicklung sicherlich nicht abgeneigt. (map)