AOL steigert Gewinn trotz Umsatzverlusten
Der zum Inhalte-Anbieter gewandelte Internet-Pionier verdient wieder besser, bereits verbuchte Abschreibungen auf Firmenwerte reißen aber noch ein tiefes Loch in der Bilanz des bisherigen Geschäftsjahres.
Das Internet-Unternehmen AOL kommt bei seinem Wandel zum Inhalte-Anbieter voran. Im dritten Quartal konnte AOL seinen Gewinn trotz eines Umsatzeinbruchs im Jahresvergleich von 74 auf 171,6 Millionen US-Dollar steigern. Das teilte das Unternehmen am Mittwoch in New York mit. Dass der Umsatz gleichzeitig um 27 Prozent auf 292,8 US-Millionen Dollar zurückging führt AOL auf aufgegebene Produkte und Geschäftsbereiche zurück. Der Internet-Pionier hatte unter anderem sein Europa-Geschäft zusammengestrichen.
Auf der Gewinnseite verbuchte AOL auch Einnahmen aus dem Verkauf des Messaging-Dienstes ICQ und der Beteiligung am Online-Reiseanbieter Kayak. Trotz des positiven Quartalsergebnisses weist die Konzernbilanz für die ersten neuen Monate des Geschäftsjahres noch ein dickes Minus von 848,7 Millionen Dollar auf. Darin schlagen sich vor allem Abschreibungen auf den Unternehmenswert aus dem zweiten Quartal nieder.
AOL ist seit Dezember 2009 wieder eigenständig an der Börse notiert, nachdem die glücklose Ehe mit dem Medienriesen Time Warner geschieden worden war. Auf dem Höhepunkt des New-Economy-Wahnsinns galt die Fusion der beiden Medienunternehmen als der Deal der Jahrhunderts, entpuppte sich aber als einer der größten Flops der Wirtschaftsgeschichte. AOL backt inzwischen deutlich kleinere Brötchen, aus Deutschland und anderen europäischen Ländern hat sich der ehemalige Zugangsanbieter weitgehend zurückgezogen.
Auf dem neuen Kurs gab AOL allein im vergangenen Quartal knapp 100 Millionen Dollar für Zukäufe aus: Das Technologieblog TechCrunch, die Software-Firma Thing Labs und den Ratgeber-Video-Spezialisten 5 Minutes. Zu AOL gehören auch populäre Blogs wie Engadget oder das Entertainment-Portal TMZ.com. (vbr)