Deutsche gaben 3,3 Milliarden Euro für Online-Glücksspiele aus
Pro Kopf setzten die Österreicher im vergangenen Jahr durchschnittlich mehr als viermal soviel für das Online-Gambling ein wie die Bundesbürger hierzulande oder knapp fünfmal soviel wie die Schweizer.
In Deutschland wurden 2005 rund 3,3 Milliarden Euro für Online-Wetten und -Glücksspiele ausgegeben, eine Steigerung von 35 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Im Nachbarland Österreich summierten sich die Spieleinsätze auf 1,3 Milliarden Euro, in der Schweiz dagegen lediglich auf 0,3 Milliarden Euro. Diese Zahlen für die so genannte DACH-Region (Deutschland, Austria, Confoederatio Helvetia) ermittelte das Berliner Beratungsunternehmen Goldmedia in einer Analyse zu den Marktpotenzialen von Lotterien, Casinospielen und Wetten im Internet. Danach setzten die Österreicher pro Kopf mit 177 Euro im vergangenen Jahr durchschnittlich mehr als viermal soviel für das Online-Gambling ein wie die Bundesbürger hierzulande (40 Euro) oder knapp fünfmal soviel wie die Schweizer (36 Euro).
Die Studie führt dies auf die unterschiedliche Regulierung zurück. "Eine liberale Glücksspielgesetzgebung", so das wenig überraschende Ergebnis, "korrespondiert offenbar mit einer deutlich höheren Spielintensität der Bevölkerung im Internet." Zwar besteht in allen drei Ländern ein staatliches Glücksspielmonopol, doch fallen nach österreichischer Rechtsauffassung Wetten nicht unter den Bereich des Glücksspiels. In Österreich dürfen zudem staatliche Anbieter Casinospiele auch online offerieren, was in Deutschland nur in Ausnahmefällen und in der Schweiz gänzlich untersagt ist. Mehr als die Hälfte der Online-Spieleinsätze in dem Donauland entfielen auf die staatlichen Betreiber, deren Marktanteil in Deutschland unter 20 Prozent liegt.
Das eingeschränkte Angebot an legalen Glücksspielen in Deutschland und der Schweiz hat der Goldmedia-Analyse zufolge die Konsequenz, dass der Auslandsanteil am Online-Markt in beiden Ländern extrem hoch ist. "Will der Fiskus nicht seine Einnahmen und der Staat nicht seine kanalisierende Kontrolle im immer bedeutenderen Vertriebsweg Internet verlieren", meint Studienautor Michael Schmid, "müssen auch national kontrollierbare und international wettbewerbsfähige Online-Casino- und Online-Wettangebote in Deutschland zulässig sein". (Richard Sietmann) / (jk)