Siemens-Geschäfte laufen gut
An diesem Donnerstag legt Siemens-Chef Peter Löscher die Bilanz des abgelaufenen Geschäftsjahres 2009/10 vor. Es könnte eines der besten in der Unternehmensgeschichte gewesen sein, erwarten Experten.
Für den Elektrokonzern Siemens läuft derzeit Vieles rund. Der kräftige Konjunkturaufschwung hat das Wachstum zurückgebracht, nahezu wöchentlich nimmt das Unternehmen neue Großaufträge für Windkraftanlagen und Bahntechnik in die Bücher, und auch die Mitarbeiter sollen vom Aufwärtstrend profitieren. An diesem Donnerstag legt Konzernchef Peter Löscher die Bilanz des abgelaufenen Geschäftsjahres 2009/10 (Ende: 30. September) vor. Es könnte eines der besten in der Unternehmensgeschichte gewesen sein, erwarten Experten.
Bei seinem Amtsantritt im Sommer 2007 hatte der 53-jährige Österreicher Löscher noch an vielen Fronten zu kämpfen: Vor allem der milliardenschwere Schmiergeld-Skandal schwebte lange als Damoklesschwert über Siemens. Löscher verpasste dem Konzern eine neue Führungsstruktur, konzentrierte das Unternehmen auf die drei Sektoren Industrie, Energie und Gesundheit und brachte auch ein milliardenschweres Sparprogramm in Vertrieb und Verwaltung auf den Weg, über das tausende Arbeitsplätze abgebaut wurden.
Damit ist es Siemens nach Löschers Einschätzung auch gelungen, in Sachen Profitabilität zum US-Rivalen General Electric aufzuschließen. "Wir sind auf Augenhöhe", soll der Konzernchef kürzlich vor Managern in Berlin gesagt haben. Auch die Großbaustelle Schmiergeld-Skandal gilt mittlerweile als weitgehend abgearbeitet, weitere Strafen muss der Konzern laut einem Zeitungsbericht nicht mehr fürchten. Der von der US-Börsenaufsicht bestellte Anti-Korruptionsaufseher bei Siemens, Theo Waigel, bescheinigt dem Unternehmen, "eindeutig auf dem richtigen Weg" zu sein. Die Unternehmenskultur, für die Löscher die Parole "Saubere Geschäfte – immer und überall" ausgegeben hatte, habe sich geändert.
Nach der Befreiung vom schweren Ballast Korruptionsskandal kann sich Löscher jetzt wieder voll aufs Tagesgeschäft konzentrieren. Ganz oben auf der Agenda dabei: Die umweltfreundlichen Technologien, die mittlerweile rund 28 Milliarden Euro und damit fast ein Drittel zu den Gesamtumsätzen des Konzerns beisteuern. In den kommenden Jahren will Löscher damit weiter punkten und peilt bis zum Geschäftsjahr 2013/14 Erlöse von mehr als 40 Milliarden Euro mit Windkraftanlagen, effizienter Beleuchtung und Technologien zur Wasser-und Luftreinhaltung an.
Diese Strategie dürfte Siemens auch zugute kommen, wenn die Weltwirtschaft wieder einen Gang zurückschaltet. Dann wird sich der Konzern aber beispielsweise auch auf die weitere Erholung eher spät anspringender Geschäftsbereiche stützen können, erwartet Siemens-Experte Ingo-Martin Schachel von der Commerzbank. Für das abgelaufene vierte Geschäftsquartal hatte Finanzchef Joe Kaeser vor einigen Wochen operativ gute Zahlen in Aussicht gestellt. Bei Auftragseingang und Umsatz ging es demnach wieder aufwärts. Allerdings musste Siemens eine milliardenschwere Abschreibung vornehmen, weil das Wachstum im Diagnostik-Geschäft hinter den Erwartungen zurückblieb. Auch das Netzwerk-Gemeinschaftsunternehmen mit Nokia Siemens Networks bleibt ein Sorgenkind.
Von der insgesamt guten Geschäftsentwicklung sollen derweil auch die Mitarbeiter etwas haben. Schon vor einigen Wochen schloss Siemens mit der IG Metall einen Beschäftigungspakt und gab den Mitarbeitern damit weitreichende Zusagen zum Thema Arbeitsplatzsicherheit. Aber auch finanziell könnten sich die Zuwächse für die Arbeitnehmer auszahlen. Auf die Frage, ob Siemens die vereinbarten Lohnerhöhungen vorzieht, wie dies von der IG Metall gefordert wird, sagte Löscher am Montag in einem Interview des Bayerischen Fernsehens, Siemens sei wieder zu alter Stärke zurückgekehrt. "Die Leistung dafür gebührt allen Mitarbeitern und sie sollen auch daran teilhaben." Und auch für die Aktionäre könnte Löscher gute Neuigkeiten im Gepäck haben: Laut Financial Times Deutschland plant der Konzern eine kräftige Aufstockung der Dividende. (pmz)