Billboard 2004: Mit HDTV gegen Piraterie
Medienmogul Marc Cuban erklärte auf der Billboard Digital Entertainment Conference, keine Angst vor Tauschbörsen zu haben.
"Diese ganze Piraterie-Geschichte ist ein Haufen Mist", erklärte der Broadcast.com-Begründer Marc Cuban am Freitag auf der Billboard Digital Entertainment Conference in Los Angeles. Cuban fordert, die Industrie sollte den Nutzern vernünftige Angebote machen, anstatt sie zu verklagen. "Es gibt zwei Gründe, warum Menschen Filme tauschen   Preis und Zeit", so Cuban. Wenn Konsumenten Monate auf die DVD-Version eines Films warten müssten, sollte man sich nicht darüber wundern, wenn sie stattdessen Bittorrent nutzten.
FĂĽr sein eigenes Medienimperium hat sich Cuban deshalb vorgenommen, Filme zeitgleich ĂĽber alle Vertriebswege anzubieten. Wenn von ihm finanzierte Filme in einem seiner Kinos anlaufen, dann sind sie am gleichen Tag auch ĂĽber seinen High-Definition-TV-Sender HDNet und ĂĽber den DVD-Verleih-Service Netflix verfĂĽgbar. Gute Erfahrungen hat er mit diesem Ansatz eigenen Angaben zufolge im Sport-Bereich gemacht. Cuban ist Besitzer des Basketball-Teams Dallas Mavericks. Die Spiele seines Teams werden live ĂĽber seinen TV-Sender ausgestrahlt. "Je mehr Spiele im Fernsehen sind, desto besser sind die Besucherzahlen", berichtet er.
Mark Cuban gründete das Internet-Radioangebot Broadcast.com und verkaufte es zum Höhepunkt des Dotcom-Booms für rund 5,7 Milliarden US-Dollar an Yahoo. Seitdem hat er eine Reihe von Medienfirmen gegründet und erworben, die allesamt an der Verwertung von High-Definition-TV-Inhalten (HDTV) beteiligt sind. Im Frühjahr nächsten Jahres will Cuban damit beginnen, seine 58 Filmtheater mit digitalen Projektoren auszustatten.
Cuban ist sich sicher, dass solche Technik sich sehr bald auch in heimische Wohnzimmer Einzug halten wird. Früher oder später würden alle Heimgeräte vom DVD-Player bis zum Fernseher Netzwerkfähigkeit und USB-Ports für externe Festplatten besitzen. "Alle diese Geräte werden Moores Law folgen" und damit immer günstiger und rechenstärker werden, zeigt er sich überzeugt.
Glaubt man Cuban, dann wird Piraterie von HDTV-Inhalten jedoch auf absehbare Zeit kein Thema sein. Die Dateien seien einfach zu groß, und die Breitband-Anschlüsse noch viel zu langsam. Dies wird sich seiner Einschätzung nach auch so bald nicht ändern. Cuban sagt dazu: "Die Chance, dass wir innerhalb der nächsten fünf Jahre 10 MBit für Heimanwender haben, ist praktisch gleich null." (Janko Röttgers) / (ad)