SCO vs. Linux: Niederlage fĂĽr SCO, Termine gesetzt [Update]
SCO scheiterte damit, eine dritte Klagelinie in dem Prozess um angeblich unrechtmäßig genutzten Unix-Code einzuführen und die Verwendung von IBMs lizenzierter Unix-Variante AIX beim Projekt Monterey als Bruch der Lizenzbestimmungen zu interpretieren.
In der Auseinandersetzung zwischen der SCO Group und IBM um angeblich von IBM unrechtmäßigerweise benutzten Sourcecode aus Unix System V hat SCO eine empfindliche Niederlage erlitten. Die Firma scheiterte nach der Entscheidung des zuständigen Richters Dale Kimball mit ihrem Versuch, eine dritte Klagelinie in dem Prozess einzuführen und die Nutzung von IBMs lizenzierter Unix-Variante AIX beim so genannten Projekt Monterey als Bruch der Lizenzbestimmungen zu interpretieren. Außerdem setzte der Richter mit dem 26. Februar 2007 den Termin für das Hauptverfahren fest. Dementsprechend sollen alle Voruntersuchungen und Eingaben bis zum 17. März 2006 abgeschlossen sein.
Der zuständige Richter machte sich mit seiner Entscheidung grundsätzlich die Argumentation von IBM zu eigen, dass SCO gemäß den eigenen Veröffentlichungen über die Mitarbeit am Projekt Monterey sehr wohl wusste, dass IBM AIX auf der PowerPC-Architektur einsetzen wollte. SCO habe mit mehreren Erklärungen das Vorhaben ausdrücklich unterstützt. Der Richter kam zu der Ansicht, der SCO-Antrag auf eine Erweiterung der Klage nichts weiter als der Versuch, das ohnehin über Gebühr verzögerte Verfahren weiter hinauszuschieben.
In der mittlerweile für die Öffentlichkeit freigegebenen und auf Groklaw veröffentlichten Begründung, warum SCOs Antrag abgelehnt werden sollte, erklärte IBM:
"SCO's motion for leave to amend further its pleadings should be denied. SCO should not be allowed to continue to perpetuate the fear, uncertainty and doubt it has created in the marketplace concerning Linux simply by devising new ways to delay the resolution of this case."
Mit der ausdrücklichen Erwähnung von "fear, uncertainty and doubt" argumentierte IBM, dass die fortlaufende Verzögerung des Verfahrens ein Klima der Unsicherheit um Linux schaffen soll. Dies solle Firmen davon abhalten, in Linux-Software zu investieren.
Wie die Unsicherheit wirkt, macht eine wieder in die Diskussion gekommene Studie (PDF-Datei) deutlich, die Marktforscher von IDC im Auftrage von Microsoft erstellt haben. Diese Studie wurde in der Heimat von SCO von der Salt Lake City Tribune aufgegriffen. Die Zeitung zitiert den Linux-Evangelisten Bruce Perens mit den bekannten Worten: "Es ist schlecht für den Kunden, wenn die Anbieter Innovation durch Jurisdiktion ersetzen. Die Leute sollen auf der Basis der Qualität und Funktion ihrer Produkte konkurrieren und das Patentsystem nicht dazu missbrauchen, sich gegenseitig vom Markt auszuschließen und Monopole zu schaffen."
Zu den Entwicklungen in dem Streit, den SCO mit IBM, Novell und der Open-Source-Gemeinde um SCO-Rechte an Unix und angeblich unrechtmäßig in Linux übernommenen Code angezettelt hat, siehe den Artikel auf c't aktuell (mit chronologischer Linkliste zu Beiträgen auf heise online, aus Technology Review und der c't):
(Detlef Borchers) / (jk)